Astrofotografie Tipps vom Profi
Sasan Amir gibt Tipps zur Astrofotografie
Fotos aus diesem Beitrag: Sasan Amir
Die Astrofotografie unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Arten der Fotografie. Insbesondere die Faktoren Standortwahl, Wetter, Jahreszeit, Uhrzeit, Kameraauswahl und Equipment spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sasan Amir ist gebürtig aus Saarbrücken und beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit der faszinierenden Astrofotografie. In diesem Artikel beschreibt er nachvollziehbar die Herangehensweise an das spannende Thema.
Milchstraße und Mond fotografieren
Angefangen bei dem Mond, der sich zum Herantasten sehr gut eignet, über die Milchstraße bis hin zu Nebelsystemen in den Tiefen des Universums zeichnet sich auch die Astrofotografie durch zahlreiche Facetten aus.
Die Standortwahl in der Astrofotografie
Bei der Standortauswahl geht es hauptsächlich um die Lichtverschmutzung in der Umgebung. Sie ist dabei kein „Schmutz“ im klassischen Sinne, sondern bezieht sich auf die von den Lichtquellen angestrahlten Partikel in der Luft. Je weniger Lichtquellen vorhanden sind, desto besser sind folglich auch die Sterne zu sehen.
Beachte das Wetter für tolle Astrofotos
Ein weiterer Faktor, der natürlich eine wichtige Rolle spielt, ist das Wetter. Eine klare Nacht ist hierbei die Basis für gute Astrobilder, damit so viele Details wie möglich von der Kamera eingefangen werden können. Da bei einer sehr klaren Nacht folglich weniger Partikel in Form von Staub oder auch Wolken sichtbar sind, wirkt dies der Lichtverschmutzung entgegen, weil weniger Partikel angestrahlt werden können.
Extra: Die Mondphasen
Der Mond kann im Schnitt an drei Wochen im Monat fotografiert werden. Dabei variiert seine Erscheinung für uns, da er nicht immer voll ausgeleuchtet zu uns positioniert ist und daher teilweise nur eine Mondsichel zu sehen ist.
Wenn der Mond nur seine Schattenseite zeigt, wird dieses Phänomen Neumond genannt, daher fällt diese Phase für die Mondfotografie weg. Anschließend folgt die Phase des zunehmenden Mondes. Dabei ist nur die rechte Seite des Mondes wie eine Sichel zu erkennen und wandert über die Tage bis hin zum Vollmond und anschließend zu der Phase des abnehmenden Mondes. Dann ist im Gegensatz zum zunehmenden Mond die linke Seite sichelförmig zu erkennen. Nach 29,5 Tagen fängt der Zyklus wieder bei dem Neumond an.
Wann die Milchstraße fotografieren?
Etwas schwieriger und komplexer gestaltet sich dabei die Fotografie rund um die Milchstraße und die einzelnen Sternensysteme. Dabei spielt das Timing eine unglaublich wichtige Rolle. Doch wann sollte fotografiert werden? Natürlich nachts. Aber wann genau, hängt stark von der Jahreszeit und der Mondphase ab. Die Milchstraße zu fotografieren, während der Mond wie beschrieben auch im Himmel zu sehen ist, macht das Ganze fast unmöglich.
Das liegt daran, dass der Mond viel heller erscheint, als die Sterne und bei einer Langzeitbelichtung wie eine zweite Sonne wirkt. Demnach ist eine Neumondnacht, bei der der Mond durch seine Position zwischen Sonne und Erde nicht zu erkennen ist, perfekt. Da er im Schnitt nur alle 29,5 Tage vorkommt, sollte man sich nicht nur auf den einzelnen Neumondtag beschränken, sondern auch auf die Tage um den Neumond herum.
Aber damit allein hat es sich nicht ganz erledigt, denn auch der Nachthimmel besitzt Jahreszeiten. Es gibt eine sogenannte „Milkyway Season“, also eine Saison für die Milchstraße, die von Frühling bis Herbst andauert. In diesem Zeitraum hat die Milchstraße an unserem Nachthimmel eine gute Positionierung.
Die perfekte Uhrzeit für die Astrofotografie bestimmen
Nachdem der Zeitraum und die Mondphase schon mit einbezogen worden sind, fehlt nur noch die exakte Uhrzeit. Während die Milchstraße von März bis Mai nur kurz vor dem Sonnenaufgang zu erkennen ist, ist sie teilweise von Juni bis August die ganze Nacht zu sehen. Für das richtige Timing helfen hierbei unzählige Apps, die das Planen für Astroshots deutlich einfacher gestalten. So gibt es auch Apps, welche gerade für den Anfang eine enorme Hilfe darstellen, um Nebelsysteme zu finden. Ein sehr bekannter Nebel ist hierbei der M.42 Orionnebel, der sich auch gut für den Anfang eignet, da die Grundstruktur mit dem bloßen Auge gut zu erkennen ist.
Deep Sky Photography
Die „Deep Sky Photography“, also die Ablichtung der Tiefen des Universums, bietet ebenfalls ein spannendes Feld und ist Teil der Astrofotografie. Dafür wird eine Brennweite von mindestens 450 bis 600 mm empfohlen. Demnach muss die Verschlusszeit sehr hoch sein und durch die vergleichsweise schlechten Blendenwerte der meisten Superteleobjektive bleibt eine sehr hohe ISO- Zahl unausweichlich.
Eine Lösung wäre das Star-Tracking. Dabei wird die Kamera auf einem Modul befestigt, das in der Lage ist, die Erddrehung auszugleichen. So entstehen keine Startrails und eine erheblich längere Belichtungszeit ist möglich. Damit kann eine schlechtere Blende ausgeglichen werden, ohne mit der ISO die Bildqualität zu beeinträchtigen.
Die beste Kamera für Astrofotos
Bei der Kameraauswahl sollte darauf geachtet werden, dass das Rauschverhalten sehr gut ist. Das Rauschverhalten steht im direkten Zusammenhang mit dem ISO- Wert der Kamera. Jedoch erzeugt derselbe ISO- Wert an unterschiedlichen Kameras auch unterschiedliches Rauschverhalten. Das liegt vor allem an der Sensorgröße und wie die Daten intern in der Kamera verarbeitet werden.
Ein weiteres Indiz für das Rauschverhalten ist die Anzahl der Megapixel in Relation zur Sensorgröße, sprich die Pixeldichte. Je größer die Pixeldichte ist, desto eher neigt der Sensor dazu, ein verrauschtes Bild zu erzeugen. Durch das Rauschen verliert das Bild enorm an Bildqualität und die Strukturen sind nicht mehr deutlich zu erkennen.
Ich persönlich arbeite gern mit Kameras der Sony A7 Vollformat Reihe. Die A7S II hat gerade mal 12 Megapixel auf einem Vollformatsensor und eignet sich exzellent für die Astrofotografie, oder generell für Lowlight-Situationen.
Welches Objektive für die Astrofotografie?
Welches Objektiv du für die Astrofotografie nutzt, hängt stark davon ab, was fotografiert werden soll. Um eine Nahaufnahme vom Mond zu fotografieren, sollte es mindestens eine 200 mm Brennweite sein. Zusätzlich kann das Bild noch digital beschnitten werden. Dabei ist es wichtig, dass das Objektiv eine möglichst große Blende hat. Die Blende wird durch eine Zahl angegeben, z.B. F 4.0. Dabei ist zu beachten, dass die Blende bei einer großen Blendenzahl (F8.0) kleiner wird und somit weniger Licht den Sensor erreicht. Eine kleine Blendenzahl (F1.4) bedeutet demnach, dass die Blende groß ist und sich gut für Aufnahmen mit wenig Licht eignet.
Ein Objektiv mit einer hohen Brennweite und einer möglichst kleinen Blendenzahl ist also optimal. Die Verschlusszeit sollte nicht länger als 1/40s betragen. Der Mond und auch natürlich die Erde sind in ständiger Rotation und durch die lange Brennweite ist eine lange Belichtung nicht möglich, ohne dass Bewegungsunschärfe entsteht.
Die Blende sollte ein bis zwei Stufen über der größtmöglichen Blendenöffnung eingestellt sein, da in diesem Bereich die höchste Bildqualität zu erwarten ist. Zum Beispiel bei einem Objektiv mit Brennweite 70 bis 200 mm und Blende 2.8, sollte sie auf F3.2 oder F4.0 gestellt sein. Das Bild verliert zwar an Helligkeit, gewinnt jedoch an Bildqualität in Form von Schärfe und weniger chromatischer Aberrationen. Bei dem ISO- Wert sollte man mit einem hohen Wert anfangen und manuell den Fokus setzen. Danach den ISO- Wert so weit heruntersetzen, bis das Bild gut ausgeleuchtet ist.
Bei der Milchstraße ist das Vorgehen ähnlich, nur mit anderen Werten. So wird zum Beispiel ein Weitwinkelobjektiv benötigt, um die gesamte Milchstraße und gegebenenfalls die Landschaft darunter zu fotografieren. Bei einer Vollformatkamera bietet sich ein 20 mm Objektiv und bei einer APS-C Kamera ein 16 mm Objektiv an.