Wildlife-Fotografie mit Sasan Amir in Südafrika
Der Natur- und Wildlife Fotograf Sasan Amir berichtet von seiner Reise durch Südafrika
Kürzlich wurde mir die Möglichkeit gegeben, einige Monate in Südafrika zu verbringen. Das Ziel dieser Reise war es, für meine Bachelorarbeit im Bereich Umweltschutz das Verhalten von Leoparden und Geparden zu dokumentieren. Dabei habe ich mich speziell auf Stresssituationen dieser Tiere fokussiert und untersucht, inwiefern sich diese an neue Lebensumstände adaptieren können.
Natürlich kamen hierbei auch viele Möglichkeiten zustande, diese Tiere zu fotografieren und zu filmen, wobei das Equipment für solche Aufnahmen perfekt abgestimmt sein sollte. Hierbei kam die Sony A7RIV zum Einsatz, da sie vor allem durch ihre 62 Megapixel genug Reserven hat, auch gecroppt immer noch mit 26 Megapixel zu fotografieren. So ist es möglich, mit einem 600mm Objektiv einen Bildausschnitt zu erreichen, der äquivalent zu einem 900 mm Vollformat ist. Als zweite Kamera kam die Sony A7SIII zum Einsatz. 4k 120 FPS 10-bit und die enorme low-light Leistung machen sie zu einer perfekten Ergänzung zu der A7RIV.
Bezüglich der Objektivverwendung kamen von Sony das 24mm und 85mm Objektiv zum Einsatz. Für die Wildlife Fotografie das 70-200 GM und das 200600 G. Wenn die Brennweite nicht ausgereicht hat, kam auch der 1,4er TC zum Einsatz. Gerade die GM & G Linsen eignen sich durch ihre hohe Wetterfestigkeit und die solide Bauweise ideal für solche Projekte.
Für ruhige und stabile Aufnahmen während des Filmens kam von Zhiyun Tech das Crane 2S zum Einsatz. Mehr als ausreichend Payload und die kompakte Bauweise waren hierbei die ausschlaggebenden Punkte. Die gesamte Ausrüstung wurde in den Rucksack von F-Stop Sukha gepackt, welcher über 70l Stauraum verfügt. Der Vorteil bei den F-Stop Rucksäcken ist, dass das Stauraumsystem komplett herausnehmbar ist und auch ohne den Rucksack selbst genutzt werden kann. Das ist beispielsweise bei Safaris von Vorteil, da dort die meiste Zeit vom Auto aus fotografiert wird.
Da das Licht während Sonnenauf- und Untergängen sehr beeindruckend sein kann, war das Ziel meiner Reise, authentische Portraits von Tieren während dieser Tageszeiten – also früh morgens und am Abend bis zur Dämmerung – zu erstellen.
Um dieses Ziel zu erreichen, besuchte ich viele Reservate und Nationalparks. Da es viel Glück bedarf, wilde Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu entdecken und im richtigen Licht zu fotografieren, musste ich mich in Geduld und Ruhe üben. Dies gelang mir mit der Zeit besser und besser. Mit der spannungsvollen Stille während des Wartens auf wilde Tiere kann man gut entschleunigen und den Kopf frei bekommen.
So vergingen oftmals auch viele Tage ohne brauchbares Material einzufangen, aber dafür entstand eine immer stärker werdende Verbundenheit zu der Umgebung.
Sobald dann aber wilde Tiere zu sehen sind, muss jeder Handgriff sitzen: Die Akkus sind voll, die Speicherkarten leer und das richtige Objektiv kommt zum Einsatz, da die Tiere oftmals nur wenige Sekunden zu sehen sind und daher wenig Zeit bleibt, sich mit Einstellungen o. Ä zu beschäftigen.
In wenigen Fällen bin ich bis zu einem ISO-Wert von 6400 hoch, Werte darüber hinaus würde ich vermeiden, da der sehr hoch aufgelöste Sensor dort allmählich an seine Grenzen stößt. Da kann das 600GM mit einer Blende von 4.0 punkten, dadurch kann die ISO viel weiter unten angesetzt werden und die Tiefenunschärfe erzeugt ein viel plastischeres Bild.
Ein besonderer Moment während meiner Reise war die Möglichkeit, einen weiblichen Leoparden zwei Tage lang begleiten zu können. Dabei bemerken diese Tiere natürlich, dass Menschen in der Umgebung sind, stören sich aber nicht daran. So kamen auch, unter anderem, diese beiden Bilder zustande. Bevor sich das Weibchen im Gestrüpp schlafen legte, schaute sie kurz in unsere Richtung, was mir als schöner Moment in Erinnerung bleibt.
Auch wenn Leoparden nicht die an der Spitze der Nahrungskette in Südafrika sind, sind sie im Verhältnis zu ihrer Masse auf Platz 1 aller Raubkatzen. Eine sehr starke Muskulatur kombiniert mit messerscharfen Krallen und großen Reißzähnen machen sie zu einem wirklich beeindruckenden Tier. So sehen sie nicht immer so friedlich aus wie auf dem Foto hier zu sehen, sondern bei der Jagt auch sehr angsteinflößend. Hier hatte ein männlicher Leopard ein Warzenschwein erlegt und vergnügt sich mit dessen Kopf. Dabei beobachtet er immer wieder sein Umfeld, da sonst andere Raubtiere wie Hyänen und Löwen ihm seine Beute streitig machen würden.
Sowohl die Hyänen als auch die Löwen könnten diese Beute schnell an sich nehmen. Hyänen aufgrund ihrer Größe und des starken Gebisses und Löwen, da sie größer und stärker sind als Leoparden. Da Leoparden, im Gegensatz zu Hyänen und Löwen, sehr gut im Erklettern von Bäumen sind, springen und klettern sie oftmals auf Bäume und können sich dort in Ruhe auf ihre Beute konzentrieren.
Auch wenn mein Ziel die Dokumentation von Geparden und Leoparden war, hatte ich auch die Möglichkeit, Löwen und andere Raubtiere zu sehen. Um diesen Löwen wurde sich in einer Zufluchtsstation gekümmert, wobei diese beiden Bilder während dem Sonnenuntergang, der golden-hour, entstanden sind.
Gerade die Mähne dieser Tiere ist unglaublich beeindruckend. Sie lässt sich sehr gut in Szene setzen, sobald das Sonnenlicht der Mähne während des Sonnenuntergangs mehr Kontraste verleiht. Hier wurde auch mit 600mm x 1,4TC gearbeitet und das Bild nochmal 1,5-fach digital ausgeschnitten. Das entspricht somit einer Brennweite von 1260mm und das Bild hat noch eine restliche Auflösung von knapp 26 Megapixel – hier kann die Sony A7RIV natürlich in ganzer Linie punkten.
Wer mit Wildlifefotografie anfangen möchte, kann das auch im eigenen Garten oder an einem ruhigen Fluss versuchen. Ebenso sind Wildparks ein guter Ansatz, da die Tiere dort einfacher zu finden sind. Ich würde mich von dem Gedanken, auf Anhieb ein Bild mit bester Qualität zu erstellen, distanzieren und zunächst versuchen, ein Gefühl für das natürliche Umfeld der Tiere zu entwickeln und sich auch darin zu üben, geduldig zu sein.
Beispielsweise haben Eisvögel ihren Ansitz in der Regel nicht weit von ihrem Nest entfernt, auf dem sie gerne ihre Fische verspeisen. Möchte man diesen Vogel fotografieren, sollte man Kamera und Stativ an richtiger Stelle aufstellen und so lange warten, bis der Vogel auf seinem Ansitz landet. All diese Gewohnheiten der Tiere zu erlernen bedarf Zeit und Geduld, aber es lohnt sich!