Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS im Test
Viel Brennweite, wenig Gewicht und ein fairer Einstieg in die Telefotografie
Mit dem Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS bringt Sony kurz nach dem neuen G Master ein zweites Telezoom mit identischem Brennweitenbereich auf den Markt. Die beiden Objektive verfolgen allerdings vollkommen unterschiedliche Ansätze.
Das neue 100-400mm F5.6-8 OSS möchte kein günstiges G Master sein. Es richtet sich an Fotografen und Fotografinnen, die erstmals in die Telefotografie einsteigen oder auf Reisen möglichst wenig Gewicht mitnehmen möchten. Mit einem Preis unter 1.000 Euro, nur 654 g und einem erstaunlich kompakten Gehäuse klingt das Konzept auf dem Papier bereits schlüssig.
Wir waren mit dem Objektiv einen Tag lang in der Natur unterwegs. Dabei zeigte sich schnell: Bei Schärfe, Kontrast und Lichtstärke müssen gegenüber einem G Master Kompromisse akzeptiert werden. Gemessen am Preis liefert das Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS aber ein sehr rundes Gesamtpaket.
Technische Daten
- Bajonett: Sony E-Mount
- Brennweitenbereich: 100 - 400 mm
- Offenblende: f5.6 - f8
- Blendenlamellen: 9
- Linsen/Gruppen: 15 / 10
- Speziallinsen: 2 ED- und 2 asphärische Elemente
- Autofokus: 2 Linearmotoren
- Abbildungsmaßstab: 0,41-fach
- Naheinstellgrenze: 1,13 m bei 100 mm, 0,86 m bei 400 mm
- Filterdurchmesser: 67 mm
- Wetterschutz: ja
- Maße: 78,2 x 164,5 mm
- Gewicht: 654 g
Kompakt und leicht trotz 400 mm
Der größte Vorteil des Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS fällt bereits beim ersten Anheben auf. Mit 654 g ist das Objektiv für ein Vollformat-Telezoom ausgesprochen leicht. Auch die Länge von rund 16,5 cm ist erstaunlich gering.
Beim Zoomen fährt der Tubus deutlich aus. Es handelt sich also nicht um einen Innenzoom wie beim neuen G Master. Für den Transport bleibt das Objektiv trotzdem sehr kompakt und nimmt im Rucksack kaum mehr Platz als ein mittelgroßes Standardzoom ein.
Während unseres Tests war das Objektiv an einer Sony Alpha 7 V im Einsatz. Die Kombination ließ sich problemlos aus der Hand verwenden und wirkte gut ausbalanciert. Eine Stativschelle ist nicht vorgesehen, wird bei diesem Gewicht aber auch kaum vermisst.
Gerade bei längeren Spaziergängen, auf Reisen oder im Urlaub ist das ein wichtiger Vorteil. Ein Teleobjektiv hilft schließlich nur dann, wenn man es tatsächlich mitnimmt. Bei einem Gewicht von 654 g fällt diese Entscheidung deutlich leichter als bei einem großen und schweren Profi-Telezoom.
Verarbeitung und Bedienung
Trotz des vergleichsweise niedrigen Preises hinterlässt das Objektiv keinen billigen Eindruck. Die Verarbeitung wirkt solide und das Gehäuse fühlt sich hochwertig an.
Der Zoomring war bei unserem Testmodell relativ straff abgestimmt. Der Tubus fuhr beim Tragen nicht von selbst aus. Zusätzlich gibt es einen Zoom-Lock-Schalter. Bei einem neuen Objektiv erscheint dieser zunächst kaum notwendig, könnte aber nach mehreren Jahren intensiver Nutzung noch sinnvoll werden.
Zur Ausstattung gehören:
• AF/MF-Schalter mit integriertem Fokusbereichsbegrenzer
• Fokusbereich von 3 m bis unendlich
• Schalter für den optischen Bildstabilisator
• frei belegbare Fokus-Haltetaste
• Zoom-Lock-Schalter
• separater Zoom- und Fokusring
Die Konstruktion ist gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Wegen des ausfahrenden Tubus würden wir bei starkem Regen trotzdem vorsichtig bleiben. Leichter Regen, Spritzwasser und Staub sollten im normalen Einsatz jedoch kein größeres Problem darstellen.
Das Sony 100-400mm f5.6-8 OSS in Aktion
In unserem Test zum neuen Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS war Flo einen Tag lang in der Natur unterwegs. Wie sich das kompakte Telezoom bei Wildlife, Nahaufnahmen und in der Praxis schlägt, zeigen wir dir im Video auf YouTube.
Bildqualität des Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS
Bei der Bildqualität muss das Objektiv realistisch eingeordnet werden. Es ist kein G Master und erreicht auch nicht dessen Niveau bei Schärfe, Mikrokontrast und Offenblendleistung. Das sollte bei einem Preisunterschied von mehreren tausend Euro allerdings niemand ernsthaft erwarten.
Für seine Preisklasse liefert das Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS eine sehr ordentliche Leistung. Feine Strukturen werden gut aufgelöst und unsere Aufnahmen von Hasen, Fröschen und Libellen zeigen ausreichend Details für große Bildschirme, Fotobücher und normale Druckformate.
Direkt aus der Kamera wirken die Bilder bei Offenblende etwas zurückhaltend. Besonders der Mikrokontrast fällt geringer aus als bei einem G Master. Die Dateien sehen dadurch zunächst etwas flauer und weniger plastisch aus.
In der Nachbearbeitung ließ sich dieser Eindruck aber schnell korrigieren. Etwas zusätzlicher Kontrast und eine moderate Schärfung reichen bereits aus, um sichtbar mehr aus den Aufnahmen herauszuholen. Wer hauptsächlich JPG fotografiert, kann den Kontrast alternativ direkt in der Kamera etwas erhöhen.
Die Endergebnisse haben uns gemessen an Preis und Gewicht überzeugt. Das Objektiv liefert keine G-Master-Anmutung, aber eine Bildqualität, mit der sich im Alltag sehr gut arbeiten lässt.
Chromatische Aberrationen und Vignettierung
Chromatische Aberrationen sind in unseren Testaufnahmen kaum aufgefallen. Auch an kontrastreichen Kanten, etwa bei feinen Zweigen, Fell oder Insektenflügeln, ließen sich Farbsäume nur vereinzelt erkennen.
Wir haben versucht, diese gezielt zu provozieren, konnten aber keine wirklich störenden Ergebnisse erzeugen. Die beiden ED-Elemente scheinen ihre Aufgabe daher gut zu erfüllen.
Auch die Vignettierung hält sich in Grenzen. Bei 100 mm ist in den äußersten Ecken ein leichter Helligkeitsabfall zu erkennen. Bei 400 mm war dieser in unseren Aufnahmen kaum noch relevant.
Für ein kompaktes und vergleichsweise günstiges Telezoom ist das ein gutes Ergebnis.
Freistellung trotz f8
Die maximale Blendenöffnung von f8 am langen Ende klingt zunächst wenig attraktiv. Bei 400 mm Brennweite lässt sich ein Motiv aber trotzdem deutlich vom Hintergrund trennen.
Entscheidend sind dabei die lange Brennweite, der Abstand zum Hintergrund und vor allem die kurze Naheinstellgrenze. Bei nahen Motiven entsteht auch mit f8 eine geringe Schärfentiefe.
Das zeigte sich besonders bei einer Libelle, die während unseres Tests direkt vor uns landete. Trotz f8 wurde der Hintergrund weich aufgelöst und das Motiv klar hervorgehoben.
Die neun Blendenlamellen sorgen insgesamt für ein angenehmes Bokeh. Vollkommen ruhig ist die Hintergrunddarstellung nicht in jeder Situation. Besonders harte Lichtreflexe und unruhige Pflanzenstrukturen können etwas nervös wirken. Bei einem größeren Abstand zwischen Motiv und Hintergrund entstehen aber durchaus harmonische Ergebnisse.
Überraschend gute Nahaufnahmefähigkeiten
Eine der interessantesten Eigenschaften des Objektivs ist seine kurze Naheinstellgrenze. Bei 100 mm liegt sie bei 1,13 m. Beim Zoomen auf 400 mm verkürzt sie sich sogar auf etwa 0,86 m.
Das ist zunächst ungewöhnlich, macht das Objektiv in der Praxis aber deutlich vielseitiger. Die maximale Vergrößerung von 0,41-fach entspricht ungefähr einem Abbildungsmaßstab von 1:2,5.
Ein echtes Makroobjektiv ersetzt das Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS damit nicht. Für Libellen, Schmetterlinge, größere Käfer, Frösche, Blüten und andere Details reicht die Vergrößerung aber vollkommen aus.
Der große Arbeitsabstand ist dabei ein weiterer Vorteil. Scheue Tiere und Insekten müssen nicht aus unmittelbarer Nähe fotografiert werden. Während unseres Tests war diese Funktion besonders hilfreich, da sich größere Wildtiere nur selten zeigten.
Autofokus mit zwei Linearmotoren
Der Autofokus wird von zwei Linearmotoren angetrieben. Er arbeitet zügig und weitgehend geräuschlos.
Bei ruhigen Motiven fokussierte das Objektiv zuverlässig. Auch bei bewegten Tieren und Vögeln reagierte es schnell genug für typische Hobbyanwendungen. Der Fokusbereichsbegrenzer kann die Suche zusätzlich beschleunigen, wenn sich das Motiv weiter entfernt befindet.
Das Objektiv ist kein spezialisiertes Profi-Sportobjektiv. In Verbindung mit der Motiverkennung aktueller Sony Kameras entsteht dennoch eine leistungsfähige Kombination für Tierfotografie und Outdoor-Sport.
Für Videoaufnahmen ist der leise Autofokus ebenfalls ein Vorteil.
Optischer Bildstabilisator
Sony stattet das Objektiv mit einem integrierten Optical-SteadyShot-Bildstabilisator aus. Dieser kann mit der kamerainternen Stabilisierung kompatibler Sony Kameras zusammenarbeiten.
Im Telebereich ist eine optische Stabilisierung besonders hilfreich. Bereits kleine Bewegungen werden bei 400 mm im Sucher deutlich sichtbar. Der Bildstabilisator beruhigte das Sucherbild während unseres Tests spürbar und erleichterte sowohl die Bildgestaltung als auch die Aufnahme aus der Hand.
Auch bei Videoaufnahmen ist der Unterschied klar erkennbar. Komplett frei von Bewegungen werden Aufnahmen bei 400 mm natürlich nicht, der OSS arbeitet aber sichtbar effektiv.
Bewegungen des Motivs kann der Bildstabilisator nicht ausgleichen. Für Vögel, Sport oder schnell laufende Tiere werden weiterhin kurze Belichtungszeiten benötigt.
Lichtstärke als größte Einschränkung
Die maximale Lichtstärke von f5.6 bis f8 ist der deutlichste Kompromiss des Objektivs. Bei Sonnenschein hatten wir während unseres Tests keine größeren Probleme. Das Sony FE 100-400mm F5.6-8 OSS kann daher durchaus als Schönwetterobjektiv bezeichnet werden.
Im Schatten, im Wald oder am Abend steigen die benötigten ISO-Werte jedoch schnell an. Bei Hummeln im Schatten mussten wir ISO 1600 bis ISO 2000 verwenden, um zumindest annähernd ausreichend kurze Belichtungszeiten zu erreichen. Selbst damit ließen sich die Flügelbewegungen nicht immer vollständig einfrieren.
Für Wildlife bei Tageslicht, Fußball, Motorsport, Reitsport und andere Outdoor-Aktivitäten ist das Objektiv gut geeignet. Bei Hallensport oder in der Dämmerung müssen Fotografen und Fotografinnen dagegen mit deutlich höheren ISO-Werten leben.
Das ist kein versteckter Mangel, sondern der Preis für die geringe Größe, das niedrige Gewicht und den günstigen Einstiegspreis.
Telekonverter bis 800 mm
Eine Besonderheit in dieser Preisklasse ist die Kompatibilität mit den Sony Telekonvertern SEL14TC und SEL20TC.
Mit dem 1,4-fach-Telekonverter wird aus dem Objektiv ein 140-560mm F8-11. Der 2-fach-Telekonverter erweitert den Brennweitenbereich auf 200 bis 800 mm bei f11-16.
Damit steht theoretisch sehr viel Reichweite zur Verfügung. Praktisch wird spätestens bei 800 mm und f16 allerdings sehr viel Licht benötigt. Der 2-fach-Telekonverter dürfte deshalb nur in speziellen Situationen und bei sehr gutem Wetter sinnvoll sein.
Die Unterstützung ist trotzdem positiv zu bewerten. Sie erweitert das System und bietet Fotografen und Fotografinnen die Möglichkeit, später zusätzliche Reichweite zu gewinnen, ohne direkt ein weiteres Objektiv kaufen zu müssen.