Sonnenfinsternis fotografieren: So gelingt das Foto am 12. August 2026
Unser ausführlicher Ratgeber zu Ablauf, Standorten und Ausrüstung für das Himmelsereignis 2026.
Am Mittwoch, dem 12. August 2026, zieht der Kernschatten des Mondes über Teile Europas. In Island, Spanien und einem kleinen Teil Portugals ist die Sonnenfinsternis total zu sehen. Deutschland liegt außerhalb dieser Totalitätszone. Hier erleben wir eine tiefe partielle Sonnenfinsternis, bei der abhängig vom Standort rund 85 bis 90 Prozent der Sonnenfläche verdeckt werden.
Für Fotografen und Fotografinnen ist vor allem der Zeitpunkt interessant: Das Maximum der Sonnenfinsternis fällt in Deutschland auf den späten Abend. Die schmale Sonnensichel steht nur noch knapp über dem westlichen Horizont und verschwindet vielerorts noch während der Finsternis. Statt einer isolierten Aufnahme vor schwarzem Hintergrund bietet sich deshalb die seltene Gelegenheit, die verfinsterte Sonne gemeinsam mit Landschaften, Gebäuden oder anderen Vordergrundmotiven zu fotografieren.
Inhaltsübersicht
Ist die Sonnenfinsternis in Deutschland total?
Nein. Obwohl es sich global um eine totale Sonnenfinsternis handelt, bleibt sie von Deutschland aus während des gesamten sichtbaren Verlaufs partiell. Auch im Südwesten, wo die Bedeckung am stärksten ausfällt, bleibt ein kleiner Teil der hellen Sonnenoberfläche sichtbar.
Das ist nicht nur für die Bildwirkung relevant, sondern vor allem für die Sicherheit: Der Solarfilter muss während der gesamten Beobachtung vor dem Objektiv bleiben. Es gibt in Deutschland keinen Moment, in dem die Sonne gefahrlos ohne geeigneten Schutz betrachtet oder fotografiert werden kann.
Sonnenfinsternis 2026: Uhrzeiten und Bedeckung in Deutschland
Der erste Kontakt zwischen Mond und Sonne findet je nach Standort zwischen etwa 19:12 Uhr und 19:23 Uhr statt. Das Maximum wird zwischen 20:06 Uhr und 20:17 Uhr erreicht.
Die Unterschiede zwischen Nord und Süd fallen bei der maximalen Bedeckung geringer aus, als zunächst vermutet werden könnte. Entscheidend ist vor allem die Lage in West-Ost-Richtung. Im Südwesten Deutschlands wird ein etwas größerer Teil der Sonne bedeckt als im Nordosten.
Die letzte Spalte gibt den Zeitpunkt an, zu dem die Sonne am jeweiligen Standort unter dem Horizont verschwindet. Die Sonnenfinsternis selbst ist astronomisch teilweise noch nicht beendet. Berge, Bäume oder Gebäude können die praktische Beobachtungszeit zusätzlich deutlich verkürzen.
Was bedeutet die Bedeckung in Prozent?
Die Bedeckung beschreibt den Anteil der Sonnenfläche, der vom Mond verdeckt wird. Sie ist nicht mit der sogenannten Finsternisgröße oder Magnitude zu verwechseln. Diese gibt an, welcher Anteil des Sonnendurchmessers bedeckt wird.
Für die fotografische Planung ist die Flächenbedeckung meist anschaulicher: Bei einer Bedeckung von 90 Prozent bleibt nicht ein Zehntel des Sonnendurchmessers sichtbar, sondern eine schmale, sehr helle Sichel.
Warum der Standort wichtiger ist als zwei Prozent mehr Bedeckung
Zwischen Hamburg und Freiburg liegen bei der maximalen Bedeckung knapp fünf Prozentpunkte. Für die Aufnahme ist dieser Unterschied sichtbar, aber nicht allein entscheidend. Viel wichtiger ist ein Standort, von dem aus die Sonne bis zum Maximum frei zu sehen bleibt.
Am 12. August steht sie bereits sehr niedrig. Ein Baum, ein Haus oder ein kleiner Hügel am westlichen Horizont kann dazu führen, dass die Sonne bereits zehn oder zwanzig Minuten vor dem rechnerischen Sonnenuntergang aus dem Blickfeld verschwindet.
Wir würden deshalb einen guten Standort in der eigenen Region einem langen Weg in den Südwesten vorziehen. Ein freier Horizont und gutes Wetter bringen fotografisch mehr als wenige Prozent zusätzliche Bedeckung.
So findet ihr einen geeigneten Fotostandort
Besucht euren geplanten Standort möglichst schon einige Tage vorher zur gleichen Uhrzeit. Prüft dabei, an welcher Stelle die Sonne untergeht und welche Hindernisse sich in der Sichtachse befinden.
Geeignet sind zum Beispiel:
• Küsten, Seen und offene Felder mit freier Sicht nach Westen
• erhöhte Aussichtspunkte
• Brücken oder Deiche
• Berggipfel mit freier Horizontlinie
• Stadtstandorte mit einem klar erkennbaren Gebäude als Silhouette
Planungs-Apps können den Sonnenstand anzeigen. Die tatsächliche Sicht vor Ort ersetzen sie jedoch nicht. Gerade bei langen Brennweiten reichen kleine Abweichungen aus, damit die Sonne hinter einem unerwarteten Hindernis verschwindet.
Drei Möglichkeiten, die Sonnenfinsternis zu fotografieren
Bevor ihr Kamera und Objektiv auswählt, solltet ihr euch für eine Bildidee entscheiden. Eine große Detailaufnahme der Sonne erfordert ein vollkommen anderes Setup als eine Aufnahme mit Landschaft und Horizont.
1. Die Sonnensichel als Detailaufnahme
Mit einem Teleobjektiv könnt ihr den Verlauf der Finsternis und die Form der Sonnensichel möglichst groß abbilden. An einer Vollformatkamera sind etwa 400 bis 800 mm ein sinnvoller Bereich.
Bei 400 mm bleibt rund um die Sonne noch ausreichend Platz für eine spätere Ausrichtung und einen leichten Beschnitt. Mit 600 oder 800 mm erscheint sie größer, wandert aber auch schneller aus dem Bildausschnitt.
APS-C- und Micro-Four-Thirds-Kameras können hier praktisch sein. Durch ihren kleineren Sensor wird mit demselben Objektiv ein engerer Bildwinkel erfasst. Entscheidend ist dabei nicht eine angebliche Verlängerung der Brennweite, sondern die höhere Pixeldichte beziehungsweise der kleinere Bildausschnitt.
Ein stabiles Stativ ist bei dieser Aufnahmeart hilfreich. Trotzdem sollten die Belichtungszeiten möglichst kurz bleiben, da Luftunruhe am Horizont die Konturen der Sonne sichtbar verformen kann.
2. Die verfinsterte Sonne in der Landschaft
Die besondere Stärke der Sonnenfinsternis 2026 liegt in ihrer niedrigen Position. Mit einer mittleren Telebrennweite zwischen etwa 70 und 300 mm lassen sich Sonne, Horizont und ein markantes Vordergrundmotiv miteinander verbinden.
Geeignete Motive sind beispielsweise:
• Kirchtürme
• Leuchttürme
• Windräder
• einzelne Bäume
• Berggipfel
• Personen als Silhouette
Bei dieser Art von Aufnahme ist der genaue Abstand zum Vordergrund entscheidend. Soll die Sonne hinter einem Turm oder einer Person erscheinen, muss die Position häufig um mehrere Hundert Meter verschoben werden. Die Kamera sollte deshalb nicht erst kurz vor dem Maximum aufgebaut werden.
Ein Weitwinkelobjektiv kann ebenfalls funktionieren. Die Sonne wird damit allerdings sehr klein dargestellt. Die Bildwirkung entsteht dann stärker durch die Landschaft, die besondere Lichtstimmung und den Verlauf des Abendhimmels.
3. Den Verlauf als Bildserie festhalten
Eine weitere Möglichkeit ist eine Serie, bei der die unterschiedlichen Phasen der Sonnenfinsternis später in einem Bild zusammengesetzt werden.
Dafür bleibt die Kamera während des gesamten Verlaufs an derselben Position. In regelmäßigen Abständen, beispielsweise alle fünf Minuten, wird eine Aufnahme erstellt. Anschließend können die einzelnen Sonnenpositionen in der Bildbearbeitung über eine Landschaftsaufnahme gelegt werden.
Der Bildausschnitt muss bereits vor dem Beginn ausreichend groß gewählt werden. Die Sonne bewegt sich während der Finsternis deutlich in Richtung Horizont. Ein zu enger Ausschnitt kann nicht nachträglich erweitert werden.
Sonnenfinsternis sicher fotografieren
Der wichtigste Teil der Ausrüstung ist kein besonders langes Objektiv, sondern ein geeigneter Solarfilter.
Der Filter muss ausdrücklich für die Sonnenbeobachtung beziehungsweise Sonnenfotografie vorgesehen sein und vor der Frontlinse montiert werden. Er darf nicht hinter dem Objektiv oder in einem rückseitigen Filterhalter sitzen. Dort würde das Sonnenlicht bereits durch das Objektiv gebündelt und könnte Filter, Kamera und Augen beschädigen.
Ein normaler ND-Filter reicht nicht aus
Ein ND8, ND64 oder ND1000 ist kein Ersatz für einen geprüften Solarfilter. Auch mehrere übereinander montierte Graufilter sind keine verlässliche Lösung.
Gewöhnliche ND-Filter sind primär für die Reduzierung sichtbaren Lichts bei fotografischen Aufnahmen konstruiert. Sie sind nicht automatisch für die direkte Beobachtung der Sonne oder für eine dauerhaft auf die Sonne gerichtete Kamera freigegeben.
Verwendet deshalb ausschließlich einen Filter, den der Hersteller ausdrücklich für diesen Zweck ausweist.
Sonnenfinsternisbrillen gehören nicht vor das Objektiv
Eine Sonnenfinsternisbrille schützt die Augen bei der direkten Beobachtung. Sie ist jedoch nicht als Objektivfilter gedacht.
Kameras, Ferngläser und Teleskope benötigen jeweils einen passenden Filter vor ihrer eigenen Frontoptik. Eine Sonnenfinsternisbrille darf niemals zusammen mit einem ungefilterten Fernglas, Teleskop oder Kameraobjektiv verwendet werden.
Der Filter bleibt in Deutschland immer montiert
Da es in Deutschland keine Totalität gibt, bleibt der Solarfilter vom ersten Foto bis zum Sonnenuntergang vor dem Objektiv. Das gilt auch dann, wenn bereits 90 Prozent der Sonnenfläche verdeckt sind.
Der verbleibende Teil der Sonne ist weiterhin hell genug, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen. Selbst bei 99 Prozent Bedeckung wäre ein ungeschützter Blick nicht sicher.
Welche Kamera eignet sich?
Grundsätzlich lässt sich die Sonnenfinsternis mit nahezu jeder Kamera fotografieren, an der ein geeigneter Filter sicher montiert werden kann.
Eine hohe Auflösung bietet Reserven für einen späteren Beschnitt. Ein zuverlässiger elektronischer Sucher oder ein gut ablesbares Display erleichtert die Kontrolle von Fokus und Belichtung. Hohe ISO-Leistung oder ein besonders großer Dynamikumfang spielen bei der isolierten Sonnenaufnahme eine geringere Rolle, da die Sonne trotz Filter sehr hell bleibt.
Bei einer Spiegelreflexkamera sollte die Bildkontrolle bevorzugt über Live-View erfolgen. In jedem Fall darf die Kamera niemals ohne korrekt montierten Solarfilter auf die Sonne gerichtet werden.
Welches Objektiv ist sinnvoll?
Die passende Brennweite hängt von der Bildidee ab:
Ein Telezoom ist für die erste Sonnenfinsternis oft praktischer als eine lange Festbrennweite. Damit lässt sich der Bildausschnitt anpassen, wenn die Sonne schneller als erwartet hinter einem Vordergrundmotiv verschwindet oder die geplante Position nicht exakt passt.
Ein Telekonverter kann zusätzliche Reichweite liefern, reduziert aber je nach Kombination Lichtstärke und Abbildungsleistung. Aufgrund der starken Luftunruhe nahe dem Horizont bringt eine noch längere Brennweite nicht automatisch mehr sichtbare Details.
Kameraeinstellungen für die Sonnenfinsternis
Eine universelle Belichtungseinstellung gibt es nicht. Solarfilter unterscheiden sich deutlich in ihrer Lichtdurchlässigkeit. Zusätzlich verändert die tief stehende Sonne ihre Helligkeit durch Dunst, Wolken und die längere Strecke durch die Atmosphäre.
Als Ausgangspunkt für eine Detailaufnahme könnt ihr folgende Einstellungen testen:
• Aufnahmemodus: M
• Dateiformat: RAW
• ISO: ISO 100
• Blende: f8
• Belichtungszeit: etwa 1/500s bis 1/2000s
• Weißabgleich: Tageslicht oder fester Kelvinwert
• Fokus: manuell
• Bildstabilisator: nach Herstellerempfehlung für Stativbetrieb einstellen
• Auslösung: Fernauslöser oder 2-Sekunden-Selbstauslöser
Diese Werte sind lediglich ein Startpunkt. Kontrolliert das Histogramm und die Überbelichtungswarnung. Die sichtbare Sonnensichel sollte nicht vollständig ausfressen. Je nach Filter kann eine deutlich längere oder kürzere Belichtungszeit erforderlich sein.
So stellt ihr auf die Sonne scharf
Stellt nicht einfach den Fokusring bis zum Anschlag auf unendlich. Der mechanische Anschlag entspricht bei vielen modernen Objektiven nicht exakt der optimalen Unendlich-Einstellung.
Vergrößert stattdessen das Sucher- oder Live-View-Bild und fokussiert manuell auf den Rand der Sonne. Wenn Sonnenflecken sichtbar sind, können auch diese als Orientierung dienen. Nach dem Scharfstellen sollte der Fokus nicht mehr verändert werden.
Prüft ihn trotzdem gelegentlich. Lange Teleobjektive können ihre Fokusposition durch Temperaturveränderungen geringfügig verschieben.
Nutzt kurze Belichtungszeiten
Eine Finsternis klingt zunächst nach wenig Licht. Die verbleibende Sonnenoberfläche ist jedoch weiterhin extrem hell.
Kurze Belichtungszeiten helfen nicht nur gegen Verwacklungen. Sie reduzieren auch den Einfluss der atmosphärischen Unruhe. Besonders nahe am Horizont kann die Sonnensichel von Bild zu Bild unterschiedlich scharf und verformt erscheinen.
Fotografiert deshalb kurze Serien. Aus mehreren nahezu identischen Bildern lässt sich später die Aufnahme mit der ruhigsten Luft und der klarsten Kontur auswählen.
Belichtungsreihen als zusätzliche Sicherheit
Bei einer reinen Sonnenaufnahme genügt häufig eine korrekt belichtete RAW-Datei. Eine kleine Belichtungsreihe kann dennoch sinnvoll sein, da Dunst und dünne Wolken die Helligkeit innerhalb weniger Sekunden verändern können.
Drei Aufnahmen mit etwa einer Blendenstufe Abstand sind ein guter Ausgangspunkt. Kontrolliert regelmäßig, ob die hellste Aufnahme noch Zeichnung in der Sonnensichel enthält.
Landschaft und Sonne richtig belichten
Bei einer Aufnahme mit Landschaft entsteht ein deutlich größerer Helligkeitsunterschied. Der Solarfilter verdunkelt nicht nur die Sonne, sondern das gesamte Bild. Dadurch wird der Vordergrund häufig fast schwarz.
Das kann als Silhouette funktionieren. Soll die Landschaft sichtbar bleiben, sind zwei getrennte Belichtungen meist die sauberste Lösung:
1. Eine Aufnahme der Sonne mit montiertem Solarfilter.
2. Eine Aufnahme der Landschaft mit passender Belichtung.
Beide Bilder können später zusammengesetzt werden, sofern Kamera und Bildausschnitt zwischen den Aufnahmen nicht verändert wurden. Der Filter darf erst entfernt werden, wenn das Objektiv nicht mehr auf die sichtbare Sonne gerichtet ist.
Alternativ kann die Landschaft schon vor Beginn der Finsternis als Basisaufnahme fotografiert werden. Dadurch entsteht weniger Zeitdruck während des Maximums.
Ablauf am 12. August 2026
Zwei bis drei Tage vorher
Kontrolliert die Wettervorhersage und prüft alternative Standorte. Entscheidend sind nicht nur allgemeine Bewölkungswerte, sondern vor allem tiefe Wolken und Dunst am westlichen Horizont.
Einen Tag vorher
Ladet alle Akkus, leert die Speicherkarten und kontrolliert den Solarfilter auf Beschädigungen. Prüft auch die Befestigung. Ein nur lose aufgesetzter Filter kann durch Wind vom Objektiv rutschen.
Etwa 90 Minuten vor Beginn
Baut die Kamera am Standort auf und kontrolliert den Bildausschnitt. Erstellt Testaufnahmen der ungefilterten Landschaft und anschließend Aufnahmen der Sonne mit montiertem Solarfilter.
Ab etwa 19:10 Uhr
In Norddeutschland beginnt die Finsternis zuerst. Im Süden setzt sie einige Minuten später ein. Zu Beginn ist die kleine Einbuchtung am Sonnenrand fotografisch noch unauffällig. Nutzt diese Phase, um Belichtung, Fokus und Bildausschnitt zu kontrollieren.
Zwischen etwa 20:05 und 20:20 Uhr
Jetzt wird das Maximum erreicht. In vielen Regionen bleibt anschließend nur noch wenig Zeit bis zum Sonnenuntergang. Gerade im Süden sollte die Kamera deshalb bereits vollständig eingerichtet sein.
Nach dem Sonnenuntergang
Fotografiert auch die verbleibende Abendstimmung. Eine Bildserie aus Vorbereitung, zunehmender Bedeckung, Maximum und Dämmerung erzählt das Ereignis häufig besser als eine einzelne Teleaufnahme.