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16.06.2026

Thypoch Voyager 24-50mm f2.8: Kleines Zoom, großer Schritt

Das kompakte Vollformat-Zoom zeigt, wie weit chinesische Objektivhersteller inzwischen gekommen sind.

Autor: Florian Kunde

Thypoch Voyager

Das Thypoch Voyager 24-50mm f2.8 ist auf den ersten Blick ein eher ungewöhnliches Standardzoom. Der Brennweitenbereich fällt mit 24 bis 50mm kürzer aus als bei klassischen 24-70mm-Objektiven. Dafür setzt Thypoch auf eine durchgängige Lichtstärke von f2.8, ein kompaktes Gehäuse, internes Zoomen und Autofokus für spiegellose Vollformatkameras mit Sony E-Mount.

Spannend ist das Objektiv aber nicht nur wegen seiner technischen Daten. Es zeigt auch, wie stark sich der Objektivmarkt in den letzten Jahren verändert hat. Chinesische Hersteller sind längst nicht mehr nur für günstige manuelle Festbrennweiten bekannt. Marken wie TTArtisan, Viltrox oder 7Artisans haben gezeigt, dass aus einfachen manuellen Objektiven nach und nach ernstzunehmende Autofokus-Objektive entstehen können. Meist begann diese Entwicklung bei APS-C, später kamen immer mehr Vollformat-Objektive hinzu.

Ein Autofokus-Zoom für Vollformat ist dabei noch einmal ein anderer Schritt. Hier müssen optische Konstruktion, Mechanik, Autofokus, Elektronik und Kamerakommunikation sauber zusammenspielen. Genau deshalb ist das Thypoch Voyager 24-50mm f2.8 ein interessantes Signal. Es war vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Objektiv kommt. Dass es nun ausgerechnet von Thypoch stammt, ist trotzdem eine kleine Überraschung.

Kompaktes Konzept statt maximaler Zoombereich

Mit 24 bis 50mm deckt das Voyager einen reduzierten, aber sehr praxisnahen Brennweitenbereich ab. 24mm eignen sich für Landschaft, Architektur, Innenräume, Reisen und dynamische Videoperspektiven. Rund um 35mm liegt ein klassischer Reportagebereich, der sich gut für Alltag, Street, Dokumentation und Reise eignet. 50mm bringen etwas mehr Kompression und eignen sich für Details, ruhigere Motive und natürliche Porträts.

Natürlich ist ein 24-50mm kein Ersatz für ein 24-70mm, wenn maximale Flexibilität gefragt ist. Genau darin liegt aber auch die Idee hinter diesem Objektiv. Thypoch scheint nicht versucht zu haben, ein möglichst universelles Arbeitstier zu bauen. Stattdessen wirkt das Voyager wie ein bewusst kompaktes Immer-dabei-Zoom für Fotografen und Filmer, die häufig im Bereich zwischen Weitwinkel und Normalbrennweite arbeiten.

Mit rund 432g Gewicht und einer Länge von 92,8mm bleibt das Objektiv angenehm handlich. Der interne Zoom ist dabei ein besonders wichtiger Punkt. Die Baulänge verändert sich beim Zoomen nicht. Das ist im Alltag angenehm, wird aber vor allem bei Video interessant. Wer mit Gimbal, Cage oder kompaktem Rig arbeitet, profitiert davon, dass sich die Balance beim Zoomen nicht ständig verändert.

Technische Daten

  • Bajonett: Sony E
  • Sensorformat: Vollformat
  • Brennweite: 24 bis 50mm
  • Lichtstärke: f2.8 durchgehend
  • Kleinste Blende: f22
  • Optischer Aufbau: 16 Elemente in 13 Gruppen
  • Blendenlamellen: 10
  • Naheinstellgrenze:  0,3m
  • Maximale Vergrößerung: 0,216x
  • Filtergewinde: 67mm
  • Länge: 92,8mm
  • Gewicht: ca. 432g
  • Zoomdesign: Intern
  • Fokus: Autofokus
Thypoch Voyager 24-70mm f2.8 Ansicht

Durchgängige Lichtstärke f2.8

Die konstante Lichtstärke von f2.8 macht das Thypoch Voyager 24-50mm f2.8 vielseitiger als viele kompakte Standardzooms mit variabler Blende. Gerade bei Reportage, Available Light, Innenräumen oder Videoaufnahmen ist es praktisch, wenn die Belichtung beim Zoomen konstant bleibt.

Auch für Freistellung ist f2.8 im Vollformatbereich weiterhin gut nutzbar, auch wenn man bei 50mm natürlich nicht den Look einer lichtstarken Festbrennweite erwarten sollte. Das Objektiv richtet sich eher an Anwender, die flexibel bleiben möchten, ohne direkt zu einem großen und schweren Standardzoom greifen zu müssen.

Bildlook: Nicht nur auf technische Perfektion ausgelegt

Thypoch kommt aus einer Objektivwelt, in der Bildcharakter eine große Rolle spielt. Das merkt man auch an der Positionierung des Voyager. Das Objektiv soll nicht einfach nur ein möglichst nüchternes Standardzoom sein, sondern einen etwas cineastischeren Look bieten. Dazu passen die kompakte Bauweise, der interne Zoom, die konstante Lichtstärke und die 10 Blendenlamellen.

Gerade für Video und Hybrid-Content ist das interessant. Viele Creator suchen heute kein großes Profi-Zoom, sondern eine kompakte Lösung, die an einer Vollformatkamera ausgewogen bleibt und trotzdem einen hochwertigen Look ermöglicht. Für Reisevideos, dokumentarische Aufnahmen, Interviewsituationen, B-Roll, Street und Alltag kann dieser Brennweitenbereich sehr sinnvoll sein.

Optisch sollte man das Objektiv trotzdem realistisch einordnen. Bei einem kompakten f2.8-Zoom in dieser Preisklasse sind Kompromisse zu erwarten. Besonders am langen Ende und bei Offenblende dürfte es nicht in jeder Situation die gleiche Leistung bringen wie größere und teurere Standardzooms. Für viele Anwendungen ist das aber weniger entscheidend als die Kombination aus Größe, Lichtstärke, Handling und Bildwirkung.

Warum Thypoch für viele noch unbekannt ist

Dass viele Fotografen und Filmer Thypoch bisher kaum auf dem Schirm haben, ist nachvollziehbar. Die Marke war bislang vor allem für manuelle Objektive bekannt. Dabei ging es weniger um klassische Massenmarkt-Objektive, sondern häufig um kompakte Festbrennweiten mit besonderem Charakter, hochwertiger Mechanik und Retro-Anmutung.

Zur Simera-Serie gehören beispielsweise lichtstarke manuelle Objektive wie 28mm, 35mm, 50mm und 75mm. Diese Objektive setzen auf klassische Bedienung, hohe Lichtstärke und eine Bildwirkung, die nicht nur nach Messwerten beurteilt werden soll. Besonders spannend ist auch die Eureka-Reihe. Hier geht Thypoch noch stärker in Richtung kompakte, klassische Messsucherobjektive. Das Eureka 50mm f2 ist beispielsweise ein versenkbares Objektiv im Retro-Stil, während das Eureka 28mm f2.8 als sehr kompaktes Pancake-Objektiv ausgelegt ist.

Genau deshalb kommt das Voyager 24-50mm f2.8 etwas unerwartet. Thypoch springt nicht einfach von einer günstigen APS-C-Festbrennweite zum nächsten naheliegenden Autofokus-Objektiv. Stattdessen bringt die Marke direkt ein Vollformat-Zoom mit Autofokus. Das ist technisch anspruchsvoll und strategisch ein deutliches Zeichen.

Thypoch Voyager 24-50mm f2.8 VOllformat Zoom

Fazit: Ein spannender Schritt für Thypoch und den Objektivmarkt

Das Thypoch Voyager 24-50mm f2.8 ist kein Standardzoom für jeden Zweck, aber genau das macht es interessant. Der Brennweitenbereich ist bewusst kompakt gehalten, dafür bietet das Objektiv Vollformat, Autofokus, durchgängige Lichtstärke f2.8, internes Zoomen und ein handliches Gehäuse. Besonders spannend ist aber die Bedeutung für den Objektivmarkt: Nach manuellen Festbrennweiten und immer besseren Autofokus-Primes folgt nun der nächste logische Schritt. Dass ausgerechnet Thypoch diesen Schritt geht, überrascht und macht das Voyager 24-50mm f2.8 zu einem der interessantesten neuen Objektive seiner Klasse

Florian

Autor: Florian Kunde
Seit August 2024 ist Florian fester Bestandteil des Redaktionsteams von Calumet Photo Video.
Er fotografiert seit mehr als 15 Jahren und hat eine umfassende Expertise in der Landschafts-, Natur- und Astrofotografie. Als Autor ist Florian spezialisiert auf detaillierte Produktvorstellungen, tiefgehende Testberichte und umfassende Ratgeber rund um die Fotografie.