Sony FE 400mm F4.5 GM OSS und 600mm F6.3 GM OSS im Test
Zwei neue G-Master-Supertele mit weniger als einem Kilogramm Gewicht
400 und 600 mm als G-Master-Festbrennweite, aber jeweils mit weniger als einem Kilogramm Gewicht: Mit dem Sony FE 400mm F4.5 GM OSS und dem Sony FE 600mm F6.3 GM OSS erweitert Sony sein Supertele-Portfolio um zwei deutlich mobilere Alternativen zu den bisherigen lichtstarken Profi-Festbrennweiten.
Der Ansatz ist dabei bewusst ein anderer. Statt maximaler Lichtstärke stehen Mobilität, Aufnahmen aus der Hand und ein vergleichsweise kompakter Aufbau im Vordergrund. Gleichzeitig sollen Bildqualität, Autofokus und Bedienung weiterhin dem Anspruch der G-Master-Serie entsprechen.
Wir konnten beide Objektive bereits in der Praxis ausprobieren.
Zwei Supertele fürs leichte Gepäck
Sony hat mit dem FE 400mm F2.8 GM OSS und dem FE 600mm F4 GM OSS bereits zwei klassische Supertele-Festbrennweiten im Programm. Beide bieten eine hohe Lichtstärke, sind mit 2.895 beziehungsweise 3.040 g aber auch entsprechend groß und schwer.
Genau hier setzen die beiden neuen Modelle an.
Das Sony FE 400mm F4.5 GM OSS wiegt ohne Stativfuß nur 994 g und misst 108 x 242 mm. Das FE 600mm F6.3 GM OSS kommt auf 995 g bei 108 x 263 mm.
Damit wiegen beide weniger als ein Kilogramm und sind selbst gegenüber einigen Telezooms ungewöhnlich leicht. Das FE 100-400mm F4.5-5.6 GM OSS bringt beispielsweise rund 1.395 g auf die Waage, das FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS rund 2.115 g.
Das verändert den Einsatzzweck deutlich. Ein 400er oder 600er muss damit nicht zwangsläufig vom Stativ oder Einbein genutzt werden. Gerade bei Wildlife, Vogel- und Sportfotografie lassen sich die Objektive wesentlich leichter über längere Zeit tragen und spontan einsetzen.
Sony hat zusätzlich darauf geachtet, den Schwerpunkt möglichst nah an die Kamera zu verlagern. In der Praxis sorgt das dafür, dass sich beide Objektive ausgewogener anfühlen, als die Brennweite zunächst vermuten lässt. Auch längere Freihand-Sessions werden dadurch realistischer. Genau dieser Punkt fiel auch bei unserem Praxistest positiv auf.
Die wichtigsten technischen Daten
Technische Daten
FE 400mm F4.5 GM OSS
- Bajonett: Sony E-Mount
- Brennweite: 400 mm
- Offenblende: f4.5
- Blendenlamellen: 11
- Linsen/Gruppen: 22 / 16
- Speziallinsen: 3 Super-ED- und 1 ED-Element
- Autofokus: 2 XD-Linearmotoren
- Bildstabilisierung: Optical SteadyShot
- Telekonverter: kompatibel mit 1,4-fach und 2,0-fach
- Filterdurchmesser: 95 mm
- Wetterschutz: staub- und feuchtigkeitsgeschützte Konstruktion
- Maße: 108 x 242 mm
- Gewicht: 994 g ohne Stativfuß
FE 600mm F4 GM OSS
- Bajonett: Sony E-Mount
- Brennweite: 600 mm
- Offenblende: f6.3
- Blendenlamellen: 11
- Linsen/Gruppen: 24 / 17
- Speziallinsen: 3 Super-ED- und 1 ED-Element
- Autofokus: 2 XD-Linearmotoren
- Bildstabilisierung: Optical SteadyShot
- Telekonverter: kompatibel mit 1,4-fach und 2,0-fach
- Filterdurchmesser: 95 mm
- Wetterschutz: staub- und feuchtigkeitsgeschützte Konstruktion
- Maße: 108 x 263 mm
- Gewicht: 995 g ohne Stativfuß
G-Master-Bildqualität trotz kompakter Bauweise
Die geringere Lichtstärke bedeutet nicht, dass Sony bei der optischen Konstruktion auf den G-Master-Anspruch verzichtet.
Beim 400mm kommen 22 Elemente in 16 Gruppen zum Einsatz, beim 600mm sind es 24 Elemente in 17 Gruppen. Beide Objektive verwenden unter anderem drei Super-ED- sowie ein ED-Glaselement, um chromatische Aberrationen möglichst gering zu halten.
Dazu kommt Sonys Nano AR Coating II, das Reflexionen innerhalb des Objektivs reduzieren und damit insbesondere bei Gegenlicht Ghosting und Flares minimieren soll.
Im Praxiseinsatz konnten beide Objektive mit einer sehr hohen Schärfe überzeugen. Feine Strukturen im Gefieder wurden sauber aufgelöst, während chromatische Aberrationen, Verzeichnung oder störendes Ghosting kaum auffielen. Auch bei Gegenlicht blieb der Kontrast stabil.
Die Blende besteht bei beiden Objektiven aus elf Lamellen. Zusammen mit der starken Hintergrundverdichtung langer Brennweiten entsteht dadurch trotz f4.5 beziehungsweise f6.3 eine sehr deutliche Motivtrennung mit ruhigem Hintergrund.
Lichtstärke als bewusster Kompromiss
Der größte Unterschied zu Sonys bisherigen Supertele-Festbrennweiten liegt entsprechend bei der Lichtstärke.
Das neue 400mm bietet f4.5 statt f2.8, das 600mm f6.3 statt f4. Dadurch fallen beide Objektive erheblich leichter und kompakter aus.
Gerade beim 600mm merkt man diesen Kompromiss bei schlechtem Licht. Für kurze Verschlusszeiten bei Wildlife oder Sport steigen die ISO-Werte entsprechend schneller an.
Moderne Kameras können hohe ISO-Werte allerdings zunehmend gut verarbeiten. Gleichzeitig ist genau diese reduzierte Lichtstärke einer der entscheidenden Gründe dafür, dass ein 600mm-Objektiv überhaupt unter einem Kilogramm bleiben kann.
Sony richtet die beiden Objektive damit weniger an Fotografen und Fotografinnen, die unter allen Bedingungen maximale Lichtstärke benötigen. Stattdessen steht Mobilität deutlich stärker im Vordergrund.
Die neuen Tele-Festbrennweiten im Video
In unserem Test zu den neuen Sony FE 400mm F4.5 GM OSS und FE 600mm F6.3 GM OSS waren wir mit beiden Supertele-Festbrennweiten in der Praxis unterwegs. Wie sich die leichten G-Master bei Wildlife, Autofokus und Freihand-Aufnahmen schlagen, zeigen wir dir im Video auf YouTube.
Schneller Autofokus für Sport und Wildlife
Beide Objektive setzen auf zwei XD-Linearmotoren. Der Fokus soll dadurch schnell, präzise und gleichzeitig leise arbeiten.
Sony gibt an, dass die Objektive auch mit den hohen Serienbildgeschwindigkeiten aktueller Kameras mithalten können. Selbst bis zu 120 Bilder pro Sekunde sollen unterstützt werden, sofern die verwendete Kamera diese Geschwindigkeit ermöglicht.
Auch für Video ist der AF ausgelegt. Sony nennt ausdrücklich Tracking bei 4K-Aufnahmen mit bis zu 120p.
In unserem Test mit der Sony Alpha 1 II konnte das Autofokussystem einen Vogel zuverlässig verfolgen. Bewegungen von Kopf und Körper wurden schnell erfasst, ohne dass das Objektiv beim Nachführen auffällig pumpte.
Damit eignen sich beide Objektive besonders für Motive, bei denen sich Entfernungen schnell ändern. Dazu zählen beispielsweise Vögel im Flug, Motorsport oder Feldsportarten.
Optical SteadyShot mit drei Modi
Gerade bei 400 oder 600 mm wird jede kleine Bewegung sichtbar. Deshalb verfügen beide Objektive über einen integrierten Optical SteadyShot.
Drei Modi stehen zur Verfügung:
Modus 1 ist für allgemeine Aufnahmen gedacht. Modus 2 unterstützt Mitzieher bei bewegten Motiven. Modus 3 ist für schnelle und unvorhersehbare Bewegungen optimiert und soll das Sucherbild beim Verfolgen eines Motivs stabil halten.
Mit kompatiblen Kameras arbeitet der optische Stabilisator zusätzlich mit der Stabilisierung des Kameragehäuses zusammen.
In der Praxis lassen sich damit selbst bei 600 mm brauchbare Aufnahmen aus der Hand realisieren. Gerade bei statischen oder nur leicht bewegten Motiven ist das ein wesentlicher Vorteil der beiden Objektive.
Beispiele mit dem 400mm F4.5 GM OSS
1200 mm mit Telekonverter
Beide Objektive sind mit Sonys 1,4x- und 2x-Telekonvertern kompatibel.
Beim 400mm ergeben sich:
• 560 mm f6.3 mit 1,4x-Telekonverter
• 800 mm f9 mit 2x-Telekonverter
Beim 600mm werden daraus:
• 840 mm f9 mit 1,4x-Telekonverter
• 1200 mm f13 mit 2x-Telekonverter
Gerade für Vogel- und Wildlife-Fotografie lässt sich damit eine enorme Reichweite erzielen. Gleichzeitig wird beim 600mm und 2x-Telekonverter deutlich, wo die Grenzen des Konzepts liegen: 1200 mm sind beeindruckend, f13 verlangt allerdings nach entsprechend guten Lichtverhältnissen.
Bedienung auf Profi-Niveau
Trotz des deutlich geringeren Gewichts hat Sony bei der Bedienung nicht stark reduziert.
Beide Objektive bieten vier Fokus-Halte-Tasten, einen Funktion-Ring, einen Fokusbegrenzer sowie Full-Time DMF zur schnellen manuellen Fokuskorrektur. Dazu kommen ein AF/MF-Schalter und die Bedienelemente für den Optical SteadyShot.
Der abnehmbare Stativfuß bleibt ebenfalls erhalten.
Das Gehäuse ist gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Schalter und Tasten sind entsprechend geschützt, während am Bajonett eine zusätzliche Gummidichtung sitzt. Sony weist wie üblich darauf hin, dass damit keine vollständige Wasser- oder Staubdichtigkeit garantiert wird.
Die Frontlinse besitzt außerdem eine Fluorbeschichtung, durch die Wasser, Öl und Schmutz schlechter anhaften und sich leichter entfernen lassen sollen.
Beispiele mit dem 600mm F6.3 GM OSS
Für wen sind die neuen 400mm und 600mm gedacht?
Sony positioniert die beiden Objektive vor allem für Fotografen und Fotografinnen, die lange Brennweiten häufig mobil einsetzen.
Das betrifft besonders Wildlife-Fotografen, die längere Strecken zu Fuß zurücklegen, ebenso wie Birding, Sport oder Motorsport. Auch für Aviation- und Trainspotting ist die Kombination aus hoher Reichweite und geringem Gewicht interessant.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Supertele-Festbrennweiten liegt deshalb weniger in der maximal erreichbaren Bildqualität als in der Art, wie die Objektive eingesetzt werden können.
Statt mit Stativ an einem festen Standort zu warten, lassen sich beide Objektive deutlich einfacher über längere Zeit mitführen und spontan aus der Hand einsetzen.
400 oder 600 mm?
Die Entscheidung zwischen den beiden Modellen hängt weniger von der Ausstattung als vom Einsatzzweck ab.
Das FE 400mm F4.5 GM OSS ist etwas lichtstärker und dürfte damit besonders für Sport, größere Tiere und Motive interessant sein, bei denen nicht permanent maximale Reichweite benötigt wird.
Das FE 600mm F6.3 GM OSS bietet dagegen noch einmal deutlich mehr Reichweite und dürfte vor allem für Vogel- und Wildlife-Fotografie interessant sein. Dafür muss bei wenig Licht etwas früher mit höheren ISO-Werten gearbeitet werden.
Bemerkenswert ist dabei, dass Gewicht und Durchmesser nahezu identisch sind. Wer sich für das 600er entscheidet, muss also beim Transport kaum zusätzliche Kompromisse eingehen.