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20.07.2026

Nikon ZR im Langzeittest: Meine Erfahrungen nach fast einem Jahr

Cinema, immer dabei: Warum ich die Nikon ZR am liebsten klein und unkompliziert einsetze

Autor: Florian Kunde

Nikon ZR - ein jahr später

Als die Nikon ZR vorgestellt wurde, standen zunächst vor allem ihre technischen Möglichkeiten im Mittelpunkt. Internes RAW, RED Colour Science, 32-Bit-Float-Audio und ein besonders großes Display sind schließlich Funktionen, mit denen sich eine kompakte Kamera gut von klassischen spiegellosen Modellen abheben kann.

Nach fast einem Jahr interessiert mich allerdings weniger, was auf dem Datenblatt steht. Entscheidend ist für mich inzwischen, welche Funktionen ich bei echten Produktionen tatsächlich nutze und welche Eigenschaften dafür sorgen, dass ich eine Kamera regelmäßig einpacke.

Dieser Nikon ZR Test ist deshalb kein Laborbericht und auch keine allgemeingültige Bewertung für alle Filmemacher und Filmemacherinnen. Es geht um meinen eigenen Workflow, meine Art zu filmen und die Frage, warum ich mit der ZR inzwischen häufig bewusst mit besonders wenig Equipment unterwegs bin.

Technische Daten der Nikon ZR im Überblick

• 24,5-Megapixel-Vollformatsensor

• interne Aufnahme in 6K RAW

• R3D-NE-Codec mit RED Colour Science

• N-Log und H.265

• internes 32-Bit-Float-Audio

• stabilisierten Bildsensor

• großes 4-Zoll-Display

• Nikon Z-Bajonett

Nikon ZR Front ansicht
Nikon ZR Rückseite ansicht
Nikon ZR Top ansicht
Nikon ZR Flip-Out ansicht

Nikon positioniert die ZR als kompakte Kinokamera, die sowohl effiziente Aufnahmeformate als auch interne 12-Bit-RAW-Aufzeichnungen ermöglicht. Der teilweise gestapelte Vollformatsensor arbeitet mit einer Auflösung von 24,5 Megapixeln.

In der Praxis schöpfe ich diese Möglichkeiten allerdings nur selten vollständig aus. Und genau das ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse nach mehreren Monaten mit der Kamera.

Ein filmischer Look beginnt nicht bei der Kamera

Etwas filmisch aussehen zu lassen, ist grundsätzlich nicht besonders schwer. Ein flaches Log-Profil, ein passendes Color Grading, eine reduzierte Wiedergabegeschwindigkeit, Musik und ein bewusst gewählter Bildausschnitt können selbst alltäglichen Szenen eine deutlich cineastischere Wirkung geben.

Die Kamera allein erzeugt diesen Look also nicht. Sie kann aber dafür sorgen, dass ich solche Aufnahmen überhaupt mache.

Eine große und aufwendig aufgebaute Kamera bietet möglicherweise mehr Anschlüsse, mehr Direktzugriffe und eine bessere Ergonomie mit schweren Objektiven. Sie muss dann allerdings auch transportiert, aufgebaut und nach dem Dreh wieder verpackt werden. Für geplante Produktionen ist das kein Problem. Bei spontanen Aufnahmen wird diese Hürde für mich jedoch schnell zum entscheidenden Faktor.

Die Nikon ZR funktioniert für mich vor allem deshalb so gut, weil ich sie nicht zwangsläufig als vollständiges Cinema-Rig verwenden muss.

Mein kompaktes Setup mit zwei Festbrennweiten

Für viele Aufnahmen nutze ich die Nikon ZR zusammen mit dem NIKKOR Z 26mm f2.8 und dem NIKKOR Z 40mm f2. Beide Objektive sind klein genug, um gemeinsam mit der Kamera in eine kompakte Tasche zu passen.

Das 26mm eignet sich für mich vor allem für Übersichten, Aufnahmen in engeren Räumen und Talking-Head-Sequenzen. Mit dem 40mm kann ich Details etwas stärker hervorheben und eine sichtbarere Trennung zwischen Motiv und Hintergrund erzeugen.

Natürlich decken zwei Festbrennweiten nicht jede Situation ab. Mir fehlt damit beispielsweise die Flexibilität eines Zoomobjektivs. Gleichzeitig zwingt mich die Einschränkung aber auch dazu, den Kamerastandpunkt bewusster zu wählen. Für die Art von Aufnahmen, die ich mit diesem Setup mache, empfinde ich das nicht als Nachteil.

Praktisch ist außerdem, dass beide Objektive das gleiche Filtergewinde besitzen. Dadurch reicht mir ein variabler ND-Filter für das gesamte Setup.

Gerade bei Videoaufnahmen im Freien ist dieser für mich wichtiger als ein zusätzliches Objektiv. Mit dem ND-Filter kann ich die Belichtung reduzieren, ohne dafür sofort die Blende schließen oder die gewünschte Verschlusszeit verändern zu müssen. So bleibt die Bildwirkung auch bei wechselndem Licht weitgehend konstant.

Nikon ZR kleines Cinema Setup

Der große Bildschirm verändert meinen Workflow

Die für mich wichtigste Eigenschaft der Nikon ZR ist weder der RAW-Codec noch die RED Colour Science. Es ist das 4 Zoll große Display.

Auf dem Papier klingt ein größerer Bildschirm zunächst nur nach etwas mehr Komfort. Im praktischen Einsatz hat er für mich aber deutlich größere Auswirkungen. Ich kann Schärfe, Bildausschnitt und kleinere Details zuverlässiger beurteilen und benötige bei vielen Drehs keinen zusätzlichen Monitor.

Das spart nicht nur Gewicht. Ein externer Monitor benötigt normalerweise eine Halterung, ein Kabel und je nach Modell eine eigene Stromversorgung. Aus einem kleinen Kamerasetup wird dadurch schnell ein deutlich umfangreicheres Rig.

Mit der ZR kann ich diesen zusätzlichen Aufbau häufig vermeiden. Das ist besonders hilfreich, wenn ich allein arbeite, mehrere Einstellungen nacheinander drehe oder meinen Standort häufig wechsle.

Auch die Helligkeit von rund 1.000 Nits hat sich in meinem Einsatz bewährt. Selbst bei Tageslicht konnte ich das Bild bisher meistens ausreichend erkennen. Das bedeutet nicht, dass das Display unter jeder Lichtsituation perfekt ablesbar ist. Für meine bisherigen Drehs musste ich jedoch nur selten über einen zusätzlichen Monitor oder einen Sonnenschutz nachdenken.

Hat man sich erst einmal an diese Größe gewöhnt, wirken die Displays vieler anderer Kameras erstaunlich klein.

Der Bildstabilisator ersetzt nicht alles, aber oft das Stativ

Ein weiterer Grund für mein kleines Setup ist der stabilisierte Sensor. Er ermöglicht mir, kurze Szenen spontan aus der Hand aufzunehmen, ohne jedes Mal zuerst ein Stativ aufbauen zu müssen.

Natürlich ersetzt die Stabilisierung weder einen Gimbal noch ein Stativ in jeder Situation. Bei längeren statischen Einstellungen bleiben kleine Bewegungen sichtbar. Auch gleichmäßige Kamerafahrten lassen sich aus der Hand nicht automatisch sauber umsetzen.

Für kurze Details, langsame Bewegungen und spontane Zwischenschnitte reicht mir die Stabilisierung aber häufig aus. Das Stativ bleibt deshalb oft zu Hause, solange ich mich nicht selbst vor der Kamera aufnehmen muss.

Diese Unterscheidung ist mir wichtig: Die Nikon ZR macht zusätzliches Equipment nicht grundsätzlich überflüssig. Sie erlaubt mir lediglich, bei vielen Produktionen bewusster darauf zu verzichten.


Wie klein geht eigentlich großes Kino?

Flo hat die Nikon ZR jetzt schon eine ganze Weile im Einsatz. Dabei hat sich herauskristallisiert, wie er sie am liebsten einsetzt. Und das muss nicht immer komplett aufgerüstet mit riesigen Objektiven sein. Manchmal reicht auch sehr kleines Gepäck.


Warum ich meistens nicht in RAW filme

Die Nikon ZR kann intern in 6K RAW und mit dem R3D-NE-Codec aufnehmen. Damit bietet sie deutlich mehr Reserven für umfangreiche Farbkorrekturen und aufwendige Produktionen. Nikon integriert außerdem verschiedene effiziente Codecs sowie N-Log für Workflows, bei denen nicht die maximal mögliche Datenmenge benötigt wird.

Trotzdem nehme ich den größten Teil meiner Videos in 4K 60p, N-Log und H.265 auf.

RAW bietet mehr Möglichkeiten, verursacht aber auch größere Dateien und einen entsprechend höheren Aufwand bei Speicherung, Datensicherung und Bearbeitung. Für meine typischen Produktionen steht dieser zusätzliche Aufwand häufig in keinem sinnvollen Verhältnis zum sichtbaren Vorteil.

N-Log liefert mir bereits genug Spielraum, um Belichtung und Farben anzupassen. Mit den von Nikon angebotenen RED LUTs lassen sich außerdem schnell ansprechende Ausgangspunkte für das Grading erstellen. Möchte ich einen individuelleren Look, bleibt dafür ebenfalls ausreichend Reserve.

Auch das begleitende Video zu diesem Artikel wurde vollständig in 4K 60p mit N-Log und H.265 aufgenommen. Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, dass nicht immer das technisch aufwendigste Format die sinnvollste Wahl ist.

Der beste Codec ist für mich nicht automatisch derjenige mit den meisten Reserven. Es ist derjenige, der zur jeweiligen Produktion und zum geplanten Bearbeitungsaufwand passt.

Nikon ZR im Einsatz

Nikon ZR oder Nikon Z6 III?

In meinen typischen Einstellungen bietet mir die Z6 III bei der eigentlichen Bildaufnahme sehr ähnliche Möglichkeiten. Trotzdem greife ich für Videoarbeiten lieber zur ZR.

Der Grund liegt weniger in einem dramatischen Unterschied bei der Bildqualität. Für mich sind vor allem der Formfaktor, das größere Display und die Integration von 32-Bit-Float-Audio entscheidend. Nikon bezeichnet die ZR als erste Kamera mit interner 32-Bit-Float-Audioaufnahme. Dadurch können starke Pegelschwankungen bei passenden Aufnahmebedingungen besser aufgefangen werden, ohne dass der Audiopegel vor jeder Situation exakt angepasst werden muss.

Die Z6 III bleibt für mich die vielseitigere Hybridkamera, wenn Fotografie und Video ungefähr gleich wichtig sind. Die ZR fühlt sich dagegen stärker wie ein Werkzeug an, das speziell für Videoaufnahmen entwickelt wurde. Trotzdem setze ich sie auch immer wieder für kurze Shootings ein, wenn ich mal wieder zu faul war, meine Tasche umzupacken. Gelegentlich vermisst man dann den Sucher, aber der große, helle Bildschirm ist in der Praxis ein adäquater Ersatz.

Hitzeentwicklung bei hohen Temperaturen

Ein kompakter Body mit leistungsfähigen Videoformaten wirft zwangsläufig die Frage nach der Wärmeentwicklung auf.

Einen Härtetest konnte ich dieses Jahr absolvieren, als ich Sie auf einer Hochzeit im Einsatz hatte, ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres, mit bis zu 38 Grad im Schatten. Die Nikon ZR wurde dabei spürbar warm, ich hatte während des Einsatzes aber keine Probleme mit einer temperaturbedingten Abschaltung.

Das ist ausdrücklich kein standardisierter Überhitzungstest. Aufnahmeformat, Speichermedium, direkte Sonneneinstrahlung, Länge der einzelnen Clips und Luftzirkulation können das Ergebnis deutlich beeinflussen.

Für meine bisherigen Produktionen hat sich die Wärmeentwicklung jedoch als unkritisch erwiesen. Gerade angesichts des kompakten und flachen Gehäuses hat mich das positiv überrascht.

Wenige Tasten sind für mich kein Nachteil

Die Nikon ZR besitzt vergleichsweise wenige physische Bedienelemente. Auf der Oberseite befinden sich drei Tasten, auf der Rückseite zwei weitere Tasten sowie ein Joystick.

Für manche Anwender dürfte das zu wenig sein. Wer während einer Aufnahme häufig zwischen unterschiedlichen Einstellungen wechselt, verschiedene Funktionen direkt auf Tasten legen möchte oder ungern über das Touchdisplay arbeitet, kann sich an diesem Konzept stören.

Zu meinem eigenen Workflow passt es dagegen gut. Ich stelle Auflösung, Bildrate, Profil und Belichtung normalerweise vor der Aufnahme ein und ändere diese Parameter anschließend nur selten. Deshalb benötige ich nicht für jede Funktion einen eigenen Schalter.

Die reduzierte Bedienung ist für mich somit kein allgemeiner Vorteil der Kamera. Sie funktioniert lediglich gut, weil sie zu meiner Arbeitsweise passt.

Nikon ZR Fazit nach einem Jahr im Einsatz

Fazit: Meine Nikon ZR Erfahrungen nach fast einem Jahr

Nach fast einem Jahr überzeugt mich die Nikon ZR vor allem durch ihren unkomplizierten Einsatz. Der große Bildschirm, der stabilisierte Sensor und N-Log in H.265 sorgen dafür, dass ich häufig mit wenig zusätzlichem Equipment auskomme. Das ist allerdings meine persönliche Erfahrung und hängt stark vom eigenen Workflow ab. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann die Nikon ZR in unseren Filialen ausprobieren und prüfen, ob das Bedienkonzept und der Formfaktor zu den eigenen Anforderungen passen.