Leica M EV1 - Die erste M mit EVF
Ein neuer Sucher, derselbe Leica-Charakter
Kaum eine Kamera steht so sehr für fotografische Tradition wie die Leica M. Mechanische Perfektion, puristische Bedienung und ein ikonischer Messsucher – das alles hat Generationen geprägt. Doch nun wagt Leica einen Schritt, den viele wohl nie erwartet hätten: Mit der Leica M EV1 erscheint erstmals eine M-Kamera mit fest integriertem elektronischem Sucher. Für manche fast schon Ketzerei, für andere die logische Weiterentwicklung.
Technische Daten der M EV1
- Sensor: 60,3 MP BSI CMOS Sensor, 35 mm Vollformat, Triple Resolution (60 / 36 / 18 MP)
- Prozessor: Leica Maestro III
- Sucher: OLED EVF mit 5,76 Mio. Bildpunkten
- Display: 2,95″ Touch TFT, 2,33 Mio. Bildpunkte
- Speicher: 64 GB intern + SD (UHS-II)
- Fokus: Manuell
- Video: nicht unterstützt (Foto-only)
- Konnektivität: Wi-Fi (2,4 / 5 GHz), Bluetooth 5.0, USB-C (3.1 Gen 1)
- Gehäuse: Magnesium / Aluminium mit Kunstleder im Rautenmuster
- Abmessungen: 138,8 × 80,3 × 59,9 mm
- Gewicht: ca. 495 g (mit Akku) / 413 g (ohne Akku)
Was bedeutet eine M mit EVF?
Die M EV1 ersetzt die bisherigen M-Modelle nicht, sondern ergänzt sie. Sie ist für all jene gedacht, die die Faszination manuellen Fotografierens lieben, aber den Komfort eines modernen elektronischen Suchers schätzen. Der OLED-Sucher mit 5,76 Millionen Bildpunkten und 0,76-facher Vergrößerung zeigt eine hundertprozentige Bildvorschau – inklusive Belichtung, Farbe und Schärfentiefe.
Damit fällt es leichter, exakt das Bild zu komponieren, das man im Kopf hat. Besonders bei Ultraweitwinkel- oder Telebrennweiten, die der klassische Messsucher nur eingeschränkt abdeckt, ist das ein enormer Vorteil.
Puristen können weiterhin zu den klassischen M-Modellen greifen – wer aber eine Brücke zwischen Tradition und Gegenwart sucht, findet sie in der EV1.
Zum YouTube Review der Leica M EV1
Wir haben uns eine Location gesucht, die – wie Leica selbst – Design und Technik in Perfektion vereint. Fündig geworden sind wir im Automuseum Prototyp in Hamburg. Dort testen wir die neue Leica M EV1 und zeigen, was das erste M-Modell mit elektronischem Sucher so besonders macht.
Verarbeitung und Bedienung
Wie jede Leica M ist auch die EV1 ein Stück feinmechanischer Handwerkskunst. Das Gehäuse besteht aus einer Kombination von Magnesium und Aluminium, bezogen mit einem Kunstleder im neuen Rautenmuster, das an die Leica Q3 erinnert. Mit einem Gewicht von rund 495 g inklusive Akku bleibt sie angenehm leicht und ausgewogen.
Die Bedienung folgt dem vertrauten M-Prinzip: drei Tasten neben dem Display, ein klar strukturiertes Menü und das klassische Zeitenrad auf der Oberseite. Neu ist der FN-Hebel neben dem Bajonett, mit dem sich Focus-Peaking oder der digitale Zoom (1,3× / 1,8×) direkt aktivieren lassen.
Das rückseitige 2,95-Zoll-Touchdisplay aus Gorilla Glas mit 2,33 Mio. Bildpunkten reagiert präzise und macht die Navigation durch Menüs oder das Fokussieren im Live-View angenehm intuitiv. Trotz der neuen Technik bleibt die Kamera kompromisslos reduziert: kein Autofokus, kein Video, keine Motivprogramme – Fotografie in Reinform.
Ausstattung im Detail
Im Inneren arbeitet ein 60,3-Megapixel-BSI-CMOS-Sensor (35 mm, 9528 × 6328 px) mit Triple-Resolution-Technologie, der wahlweise Aufnahmen mit 60, 36 oder 18 Megapixel ermöglicht – stets unter Nutzung der gesamten Sensorfläche. Unterstützt wird er vom Maestro III-Prozessor, der für eine sehr gute Signalverarbeitung und Dynamik bis zu 15 Blendenstufen sorgt.
Die ISO-Empfindlichkeit reicht von 64 bis 50 000, wahlweise automatisch oder manuell. Serienaufnahmen sind mit bis zu 4,5 B/s möglich, der Pufferspeicher fasst rund 15 DNG-Dateien.
Praktisch ist der 64 GB interne Speicher, der zusammen mit SDXC-Karten (UHS-II) eine flexible Datensicherung ermöglicht. Strom liefert der bekannte BP-SCL7-Akku, der rund 240 Aufnahmen nach CIPA erlaubt und sich per USB-C direkt in der Kamera laden lässt.
Zur Ausstattung gehören WLAN (2,4 / 5 GHz), Bluetooth 5.0 sowie die Verbindung zur Leica FOTOS-App für kabelloses Übertragen, Geotagging oder Fernsteuerung.
Fotos: Florian Kunde • Location: Automuseum Prototyp Hamburg.
Bildqualität
Bei der Bildqualität zeigt die Leica M EV1 das, was man von einer modernen M erwartet: absolute Klarheit, feinste Mikrokontraste und eine Bildwirkung, die unmittelbar an klassische Analog-Leicas erinnert.
Der BSI-Sensor ohne Tiefpassfilter liefert überragende Details, und die 14-Bit-Farbtiefe sorgt für harmonische Tonwertübergänge. Selbst bei höheren ISO-Werten bleiben Farben natürlich und Rauschen dezent.
Die Möglichkeit, zwischen 60, 36 oder 18 Megapixeln zu wählen, bietet praxisgerechte Flexibilität – etwa für Serienaufnahmen, Archivierung oder reduzierte Dateigrößen. Der elektronische Sucher ermöglicht eine präzise Vorschau, was gerade bei kritischen Lichtsituationen ein großer Vorteil gegenüber den rein optischen M-Modellen ist.