Die OM SYSTEM PEN im Test: Kleine Kamera für Reise und Alltag
Die erste PEN unter OM SYSTEM verbindet klassisches Design mit moderner Technik
Mit der neuen PEN führt OM SYSTEM eine Kamerareihe fort, deren Grundidee erstaunlich gut in die heutige Zeit passt: Eine Systemkamera soll klein und unkompliziert genug sein, dass man sie auch dann mitnimmt, wenn Fotografie eigentlich gar nicht im Mittelpunkt des Tages steht. Gleichzeitig ist sie die erste PEN, die tatsächlich den Namen OM SYSTEM trägt. Wir konnten die Kamera bereits über mehrere Tage bei Familienausflügen, an der Nordsee und in Hamburg ausprobieren. Dabei zeigte sich schnell, dass ihre größte Stärke weniger in einzelnen technischen Rekordwerten liegt, sondern im Gesamtpaket aus übersichtlicher Bedienung, kompakter Bauweise und einem überraschend umfangreichen Funktionsangebot.
Technische Daten der OM SYSTEM PEN
- Sensor: 4/3 Live MOS Sensor
- Megapixel: 20,4 Megapixel
- Bildprozessor: TruePic IX
- Autofokus: 121-Punkt Kreuzsensor-Phasendetektions-AF, kombiniert mit Kontrast-AF
- Sucher: OLED-Sucher, ca. 2,36 Millionen Bildpunkte
- Display: 3,0-Zoll Vari-Angle-Touchscreen, ca. 1,04 Millionen Bildpunkte
- Bildstabilisator: interne 5-Achsen-Bildstabilisierung
- Serienbilder: bis zu 30 fps
- Video: MOV, MPEG-4 AVC/H.264
- Computational Photography: Live ND, HDR, Focus Stacking, Focus Bracketing, High Res Shot, Live Bulb und Live Composite
- Farbprofile: Color Creator, Farbprofilsteuerung und Monochrom-Profilsteuerung
- Wetterschutz: IPX1
- Maße: ca. 125,8 mm (B) × 74,5 mm (H) × 43,3 mm (T)
- Gewicht: ca. 393 g einsatzbereit mit Akku und Speicherkarte, 344 g nur Gehäuse
Reduziertes Design, aber trotzdem eine vollwertige Systemkamera
Schon äußerlich unterscheidet sich die PEN deutlich von vielen klassischen Systemkameras. Auf der Oberseite gibt es weniger Einstellräder und Schalter, das gesamte Bedienkonzept wirkt aufgeräumter und weniger technisch. Genau das ist gewollt, denn OM SYSTEM möchte mit der Kamera unter anderem Menschen ansprechen, die bisher hauptsächlich mit dem Smartphone fotografiert haben und sich nicht sofort durch eine Vielzahl an Bedienelementen arbeiten möchten. Trotzdem wurde der Funktionsumfang nicht im gleichen Maße reduziert. Viele Funktionen, die man bereits von größeren OM SYSTEM Kameras kennt, stehen auch hier zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Live ND, HDR, Handheld High Res, Pro Capture und umfangreiche Farbprofile.
Mit 393 g bleibt die Kamera angenehm leicht. Dabei ist sie gar nicht extrem viel kleiner als manche andere OM SYSTEM Kamera, wirkt durch ihre flache Bauform und den seitlich angeordneten Sucher aber deutlich schlanker und unauffälliger. Besonders gut funktioniert das Konzept zusammen mit kleinen Festbrennweiten wie dem 17mm f1.8. Damit entsteht ein Paket, das problemlos den ganzen Tag mitgenommen werden kann und sich für Reise-, Street- und Familienfotografie geradezu anbietet. Selbst ein etwas größeres Objektiv wie das 75mm f1.8 ließ sich in unserem Test noch angenehm verwenden. Gerade hier zeigt Micro Four Thirds einen seiner praktischen Vorteile: Nicht nur das Kameragehäuse kann kompakt ausfallen, sondern auch die dazu passenden Objektive.
Beim Material setzt OM SYSTEM größtenteils auf Kunststoff. Wer ein besonders massives Metallgehäuse erwartet, wird den Unterschied spüren. Dafür bleibt das Gewicht niedrig und gleichzeitig wurde nicht auf Wetterschutz verzichtet. Die PEN ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt und erfüllt IPX1. Auch bei leichtem Regen muss sie also nicht sofort wieder in der Tasche verschwinden. Voraussetzung ist natürlich ein entsprechend geschütztes Objektiv.
Die neu PEN im Alltagstest
Die neue OM SYSTEM PEN hat Flo nicht nur für ein paar Testaufnahmen genutzt, sondern direkt bei Ausflügen, Familienmomenten und unterwegs in Hamburg. Im Video zeigen wir, wie sich die kompakte Kamera im Alltag schlägt und wo ihre größten Stärken liegen.
Sucher, Display und Autofokus im Alltag
Der elektronische Sucher sitzt seitlich im Gehäuse und unterstützt damit den klassischen Rangefinder-Look der Kamera. Seine 2,36 Millionen Bildpunkte sind kein Rekordwert, für die praktische Nutzung aber vollkommen ausreichend. Auch als Brillenträger konnten wir ihn gut überblicken. An sehr sonnigen Tagen musste die Helligkeit etwas angehoben werden, danach ließ sich das Sucherbild auch an der Nordseeküste problemlos erkennen. Ähnlich fällt unser Eindruck vom Display aus. Von größeren Kameras kommend wirkt es zunächst etwas klein, ist aber hell genug und für Bildkontrolle und Menübedienung gut geeignet.
Wichtiger ist bei einer Kamera, die unkompliziert funktionieren soll, ohnehin der Autofokus. Die PEN nutzt einen Phasenautofokus mit 121 Kreuzsensoren und bietet eine Gesichts- und Augenerkennung sowie eine Tiererkennung für unter anderem Hunde und Katzen. Im Alltag funktionierte das sehr zuverlässig. Gerade bei Familienfotos ist es entscheidend, die Kamera einfach hochnehmen und auslösen zu können, ohne vorher lange den AF konfigurieren zu müssen. Auch bei bewegten Motiven wie Wassersport oder Tieren zeigte sich der Autofokus überzeugend. Mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde stehen außerdem überraschend hohe Serienbildraten zur Verfügung, wenn es tatsächlich einmal schneller wird.
20 Megapixel sind nur ein Teil der Geschichte
Der bekannte 20-Megapixel-Sensor ist auf dem Papier sicherlich nicht die spektakulärste Eigenschaft der Kamera. Interessanter wird es, wenn die Computational-Photography-Funktionen dazukommen. Eine davon ist Handheld High Res. Dabei kombiniert die Kamera mehrere Aufnahmen und erstellt daraus ein Bild mit 50 Megapixeln, ohne dass dafür zwingend ein Stativ benötigt wird. In unserem Test funktionierte das erstaunlich zuverlässig. Besonders interessant ist, dass nicht nur ein hochauflösendes JPEG entsteht, sondern auch eine 50-Megapixel-RAW-Datei gespeichert werden kann. Damit bleibt trotz der höheren Auflösung der Spielraum für die spätere RAW-Bearbeitung erhalten.
Auch die interne HDR-Funktion haben wir an einem bewusst schwierigen Motiv ausprobiert. Ein Waldweg mit tiefen Schatten und gleichzeitig direktem Sonnenlicht in den Blättern liefert sehr hohe Kontraste. Die Kamera kombiniert mehrere Belichtungen und kann dadurch deutlich mehr Zeichnung zwischen hellen und dunklen Bereichen darstellen. Auch das funktionierte problemlos aus der Hand. Schade ist lediglich, dass HDR und Handheld High Res nicht kombiniert werden können. Gerade für statische Landschaftsmotive wäre eine hochauflösende Aufnahme mit erweitertem Helligkeitsumfang interessant gewesen.
Live ND und starke Stabilisierung
Eine weitere typische OM SYSTEM Funktion ist Live ND. Die Kamera simuliert dabei einen Neutraldichtefilter und ermöglicht längere Belichtungszeiten, ohne dass zwingend ein echter ND-Filter benötigt wird. Gerade bei einer kleinen Reisekamera passt das sehr gut ins Konzept, weil man eben nicht noch zusätzlich Filterhalter, mehrere Filter und ein Stativ mitnehmen möchte.
Hier spielt gleichzeitig die 5-Achsen-Bildstabilisierung ihre Stärke aus. Belichtungszeiten von etwa einer halben Sekunde waren in unserem Test problemlos möglich, mit etwas Ruhe gelangen auch Aufnahmen um eine Sekunde aus der Hand. Damit lassen sich beispielsweise fahrende Züge oder Wasserbewegungen spontan verwischen, ohne vorher zusätzliches Zubehör aufbauen zu müssen. Gerade diese Kombination aus Stabilisierung und Computational Photography macht die PEN in der Praxis interessanter, als es ein Blick auf einzelne Sensordaten vermuten lässt.
Farbprofile für fertige Bilder direkt aus der Kamera
Ein wichtiger Bestandteil des PEN-Konzepts sind die umfangreichen Farb- und Monochromprofile. Farben, Kontrast und Bildwirkung lassen sich direkt in der Kamera anpassen und als eigener Look verwenden. Besonders bei unseren Aufnahmen in Hamburg hat uns das gut gefallen. Kräftige Motive wie die gelben Hafenfähren, der blaue Himmel und die Spiegelungen im Wasser zeigen sehr gut, welchen Einfluss die Profile auf die fertige Bildwirkung haben können.
Zum Zeitpunkt unseres Tests wurde das RAW-Format der neuen Kamera von unserer Software noch nicht unterstützt. Viele der gezeigten Aufnahmen stammen deshalb direkt als JPEG aus der Kamera. Gerade das passt aber gut zur Zielsetzung der PEN: fotografieren, ein Bild vielleicht direkt auf das Smartphone übertragen und nicht zwingend jeden Ausflug mit einer längeren RAW-Bearbeitung abschließen. Über die OI.Share App lassen sich außerdem eigene Profile beziehungsweise Rezepte verwalten und teilen.
Video mit 4K30, Cinema-Profilen und Log
Auch wenn die PEN für uns klar zuerst eine Fotokamera ist, fällt die Videoausstattung umfangreicher aus, als es das reduzierte Gehäuse vermuten lässt. Die Kamera zeichnet 4K mit bis zu 30 fps auf und bietet neben zwei OM-Cinema-Profilen auch ein Log-Profil. Damit steht mehr Spielraum für Farbkorrektur und einen aufwendigeren Video-Workflow zur Verfügung. Zusätzlich gibt es einen Mikrofoneingang und einen S&Q-Modus.
Wer eine primär auf Video ausgelegte Hybridkamera sucht, findet Modelle mit noch umfangreicheren Funktionen. Für Reisevideos, kurze Clips und eine gelegentliche hybride Nutzung bietet die PEN aber mehr als nur die grundlegende 4K-Aufzeichnung.
Neuer Akku bringt längere Laufzeit
Mit der PEN führt OM SYSTEM auch den neuen BLS-7 Akku ein. Besitzer älterer PEN Modelle können ihre vorhandenen Akkus deshalb nicht weiterverwenden, was zunächst etwas schade ist. Gleichzeitig ermöglicht der neue Akku eine verbesserte Laufzeit von bis zu etwa 400 Aufnahmen. Gerade bei einer Kamera, die als unkomplizierter Reise- und Alltagsbegleiter gedacht ist, ergibt eine bessere Akkulaufzeit durchaus Sinn. Geladen wird über USB-C, optional steht außerdem ein separates Ladegerät zur Verfügung.
Nicht nur für Smartphone-Fotografen interessant
OM SYSTEM möchte mit der neuen PEN ausdrücklich auch Menschen erreichen, die bisher hauptsächlich mit dem Smartphone fotografieren. Dafür passt das aufgeräumte Bedienkonzept sehr gut. Die Kamera kann zunächst relativ unkompliziert genutzt werden, bietet aber genügend Funktionen, um mit den eigenen fotografischen Ansprüchen mitzuwachsen.
Mindestens genauso interessant finden wir die PEN aber für erfahrene Fotografen, unabhängig davon, welches System sie normalerweise verwenden. Wer sonst mit einer großen Vollformatkamera und mehreren Objektiven unterwegs ist, kennt wahrscheinlich das Gefühl, dass ein Familienausflug oder ein Urlaubstag schnell wieder ein wenig nach Arbeit aussieht, sobald die große Fototasche gepackt wird. Eine PEN mit kleiner Festbrennweite kann einfach zusätzlich ins Gepäck wandern. Trotzdem hat man mit Sucher, RAW, Wechselobjektiven, schnellerem Autofokus, Bildstabilisierung und den umfangreichen Computational-Photography-Funktionen im entscheidenden Moment immer noch genügend Kamera dabei.