Canon RF 45mm f1.2 – Lichtstärke zum kleinen Preis
Canons neue Festbrennweite überrascht mit Offenblende f1.2, solidem Handling und einem attraktiven Preis. Doch wie schlägt sie sich im Alltag?
Canon erweitert das RF-System um ein ungewöhnliches Objektiv: Das RF 45mm f1.2 STM bietet extreme Lichtstärke zu einem Preis, der weit unter dem liegt, was man in dieser Klasse erwartet. Schon zu DSLR-Zeiten verfolgte Canon mit dem 50 mm f1.8 eine ähnliche Strategie. Es galt als Klassiker, den fast jede Fotografin und jeder Fotograf in der Tasche hatte. Mit dem neuen Canon RF 45 mm f1.2 STM bringt Canon nun eine moderne Variante dieser Idee – mit beeindruckender Lichtstärke, aber ohne Profi-Preisschild.
Technische Daten
- Bajonett: Canon RF-Mount
- Brennweite: 45 mm
- Blende: f1.2 – 16
- Blendenlamellen: 9
- Optischer Aufbau: 9 Linsen in 7 Gruppen (davon 1 asphärische PMo-Linse)
- Naheinstellgrenze: 0,45 m
- Max. Abbildungsmaßstab: 0,13×
- Fokusantrieb: STM (Stepping Motor)
- Filterdurchmesser: 67 mm
- Steuerring: Ja (mit Rastung)
- Staub-/Spritzwasserschutz: Nein
- Maße (Ø × Länge): ca. 78 × 75 mm
- Gewicht: ca. 346 g
Verarbeitung und Handling
Das Gehäuse besteht größtenteils aus Kunststoff, fühlt sich aber dennoch wertig und solide an. Gleichzeitig bleibt das Gewicht angenehm niedrig, was das Objektiv zu einem guten Begleiter für längere Fototouren macht. Das Metallbajonett sorgt für Stabilität und einen sicheren Sitz an der Kamera.
Neben dem AF/MF-Schalter findet sich ein konfigurierbarer Control Ring, der mit leichten Klicks arbeitet. Damit lassen sich etwa ISO, Blende oder Belichtungskorrektur direkt am Objektiv steuern – praktisch und in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich.
Bildqualität bei Offenblende
Mit f1.2 bietet das RF 45mm eine Lichtstärke, die man sonst nur von teuren Profiobjektiven kennt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen – und die Bildleistung ist durchwachsen. In der Bildmitte ist die Schärfe bei Offenblende brauchbar, wenn auch leicht weich. Die Ränder zeigen deutliche Einbußen, vor allem bei kontrastreichen Motiven. Abgeblendet auf f1.8 oder f2.8 steigt die Schärfe sichtbar an, und das Objektiv liefert dann durchweg überzeugende Ergebnisse.
Die Vignettierung ist bei f1.2 klar erkennbar, verschwindet aber beim Abblenden schnell. Moderne RAW-Konverter korrigieren sie meist automatisch, wodurch der Effekt in der Nachbearbeitung kaum noch auffällt.
Bokeh und Nahbereich
Mit einer Naheinstellgrenze von 45 Zentimetern eignet sich das 45mm f1.2 für Porträts, Nahaufnahmen und Details gleichermaßen. In diesem Bereich zeigt es seine Stärke: Das Bokeh ist weich und angenehm cremig, besonders bei Motiven mit gleichmäßigem Hintergrund. Bei weiter entfernten Motiven kann der Hintergrund leicht unruhiger wirken – ein typisches Verhalten in dieser Objektivklasse. Wer gezielt mit Tiefenschärfe spielt, kann aber sehr ansprechende Ergebnisse erzielen, wie sich auch bei Tier- und Naturaufnahmen zeigt.
In der Praxis
Ein Punkt, der im Test direkt auffiel: Bei starkem Gegenlicht oder kontrastreichen Kanten treten sichtbare Farbsäume auf. Diese reichen von violett bis grün und sind bei Offenblende am deutlichsten. Für den aufgerufenen Preis ist das zwar keine Überraschung, sollte aber erwähnt werden. Hier hat Canon klar Priorität auf Lichtstärke und Preis-Leistung gelegt. Wer also eine absolut fehlerfreie Darstellung erwartet, sollte sich dessen bewusst sein.
Trotz dieser Schwächen hat das 45er eine gewisse Magie. Die Kombination aus hoher Lichtstärke, kompakter Bauweise und niedrigem Preis eröffnet kreative Möglichkeiten – etwa für Porträts bei verfügbarem Licht oder stimmungsvolle Aufnahmen in der Dämmerung. Im Test gelang mir ein Foto eines Rotkehlchens aus der Nahdistanz, das exemplarisch zeigt, was diese Linse kann: wunderschönes Freistellungsvermögen, natürliche Farbwiedergabe und einen unverkennbaren Charakter.