Canon EOS R8 Mark II im Praxistest
Ist das noch eine Einsteigerkamera?
Die Canon EOS R8 Mark II bleibt Canons kompakter Einstieg ins spiegellose Vollformat. Mit IBIS, 40 Bildern pro Sekunde, starkem Autofokus und umfangreichen Videofunktionen ist sie technisch aber erstaunlich nah an deutlich höher positionierten Modellen. Wir haben sie mehrere Tage im Norden Dänemarks ausprobiert.
Die EOS R8 nimmt bei Canon schon länger eine etwas ungewöhnliche Position ein. Sie ist der vergleichsweise kompakte und günstige Einstieg in das spiegellose Vollformat, musste sich technisch aber schon beim Vorgänger keineswegs verstecken. 24 Megapixel, ein sehr leistungsfähiger Autofokus, bis zu 40 Bilder pro Sekunde und 4K60 machten bereits die erste R8 deutlich potenter, als es die Bezeichnung „Einsteigerkamera“ vermuten lässt. Mit der c setzt Canon genau dieses Konzept fort und bessert vor allem dort nach, wo der Vorgänger im Alltag noch spürbare Kompromisse hatte. Für unseren Test haben wir die Kamera deshalb nicht nur im Studio ausprobiert, sondern mehrere Tage mit auf eine Reise durch Nordjütland genommen. Landschaft, Stadt, schlechtes Wetter, lange Touren und Videoaufnahmen aus der Hand liefern schließlich einen ziemlich guten Eindruck davon, wie vielseitig eine kompakte Vollformatkamera wirklich sein kann.
Technische Daten der Canon EOS R8 II
- Sensor: Vollformat CMOS, 36,0 x 24,0 mm
- Prozessor: DIGIC X
- Megapixel: 24,2 MP
- Geschwindigkeit: bis zu 40 B/s
- Voraufnahme: Ja, bis zu 20 Bilder vor dem vollständigen Durchdrücken des Auslösers
- Belichtungszeiten: 30s bis 1/16.000s elektronisch
- Sucher: 0,39-Zoll OLED-EVF mit 2,36 Mio. Bildpunkten, bis 120 B/s
- Display: 3,0 Zoll LCD mit 1,62 Mio. Bildpunkten
- Bildstabilisator: Ja, 5-Achsen-IBIS mit bis zu 7,5 Stufen in der Bildmitte
- Videoauflösung: 4K UHD bis 60p aus 6K-Oversampling, Full HD bis 180p
- Videoformate: XF-HEVC S / XF-AVC S, bis 10 Bit 4:2:2, Canon Log 3
- Anschlüsse: HDMI Micro Typ D, USB-C 3.2 Gen 2, 3,5 mm Mikrofon- und Kopfhöreranschluss
- Speicher: 1x SD/SDHC/SDXC, UHS-II unterstützt
- Akku: LP-E17
- Maße: 131,4 x 90,0 x 79,7 mm
- Gewicht: 499 g nur Gehäuse
Kompakt geblieben, aber deutlich vollständiger
Gerade auf Reisen spielt die Größe einer Kamera eine größere Rolle, als man beim Blick auf ein Datenblatt vielleicht vermutet. Wenn der Platz im Auto oder Gepäck begrenzt ist und die Kamera auf längeren Touren den ganzen Tag mitgetragen wird, sind ein paar hundert Gramm schnell spürbar. Die EOS R8 Mark II ist gegenüber ihrem Vorgänger zwar etwas größer und schwerer geworden, bleibt für eine Vollformatkamera aber weiterhin kompakt. Das zusätzliche Volumen hat außerdem einen guten Grund: Canon hat der R8 Mark II endlich einen integrierten Bildstabilisator spendiert. Der Sensor löst weiterhin mit 24 Megapixeln auf, was wir im Alltag keineswegs als Nachteil empfunden haben. Deutlich wichtiger ist aus unserer Sicht der neue IBIS mit bis zu 7,5 Stufen Stabilisierung. Gerade bei Aufnahmen aus der Hand und beim Filmen ist das eine der relevantesten Verbesserungen gegenüber der ursprünglichen R8.
Auch beim Gehäuse hat Canon an mehreren Stellen nachgebessert. Durch die größere Bautiefe fällt der Griff etwas kräftiger aus und die Kamera liegt dadurch angenehm satt in der Hand. Der Sucher steht nun etwas weiter aus dem Gehäuse heraus, was insbesondere Brillenträgern und Fotografen entgegenkommt, die mit dem Gesicht nicht ständig am Display anliegen möchten. Bei seiner Auflösung bleibt Canon allerdings bei 2,36 Millionen Bildpunkten. Das funktioniert ordentlich, ist aber einer der Punkte, an denen höher positionierte Modelle wie die EOS R6 Mark II weiterhin die Nase vorn haben. Praktischer ist das neue seitliche SD-Kartenfach. Beim Vorgänger saß die Speicherkarte noch gemeinsam mit dem Akku auf der Unterseite. Besonders auf einem Stativ konnte das umständlich sein, wenn man zwischendurch an die Karte musste. Bei der R8 Mark II ist sie nun unabhängig vom Akkufach erreichbar.
Wie schlägt sich die R8 Mark II im Einsatz?
In unserem Test zur neuen Canon EOS R8 Mark II haben wir die kompakte Vollformatkamera mit auf eine Reise an die dänische Nordseeküste genommen. Wie sie sich bei Landschaft, Street, Autofokus, Video und im Reisealltag schlägt, zeigen wir dir im Video auf YouTube.
Neues Design, vertraute Bedienung
Optisch schlägt Canon mit der R8 Mark II einen etwas anderen Weg ein. In den vergangenen Monaten wurde immer wieder darüber spekuliert, ob Canon eine Kamera mit klassischerer Designsprache entwickeln könnte. Eine echte Retro-Kamera ist die R8 Mark II zwar nicht geworden, einige Elemente greifen aber bewusst Formen aus der eigenen Vergangenheit auf. Besonders deutlich wird das im Vergleich mit der Canon T80 aus dem Jahr 1985. Kantigere Flächen, die Gestaltung rund um den Sucher und mehrere Übergänge am Gehäuse erinnern sichtbar an diese Designperiode. Canon kopiert die T80 dabei nicht, sondern überträgt einzelne Gestaltungselemente auf eine moderne spiegellose Kamera. Uns gefällt diese neue Richtung sehr gut. Die R8 Mark II wirkt klarer und eigenständiger als ihr Vorgänger.
Canon Nutzer müssen sich bei der Bedienung trotzdem kaum umgewöhnen. Die wichtigen Bedienelemente sitzen weiterhin dort, wo man sie erwartet. Eine sehr willkommene Ergänzung ist allerdings der neue Multicontroller auf der Rückseite. Wir setzen Autofokusfelder nach wie vor lieber mit einem Joystick als über den Touchscreen, gerade wenn wir durch den Sucher arbeiten. Ebenfalls neu ist die direkte Umschaltung zwischen Foto und Video am Einschalter. Die Kamera kann damit direkt im gewünschten Modus gestartet werden. Das sind keine spektakulären Datenblattwerte, im täglichen Umgang machen gerade solche Änderungen die EOS R8 Mark II aber spürbar angenehmer.
Autofokus und Geschwindigkeit deutlich über Einsteigerniveau
Beim Autofokus und bei der Serienbildgeschwindigkeit war bereits die ursprüngliche R8 bemerkenswert stark. Auch die EOS R8 Mark II schafft mit elektronischem Verschluss bis zu 40 Bilder pro Sekunde inklusive Autofokus und Belichtungsnachführung. Das ist also keine Neuerung, aber weiterhin ein sehr hoher Wert für eine Kamera dieser Klasse. Ähnlich sieht es bei der Vorausaufnahme aus. Die Kamera kann bereits etwa eine halbe Sekunde vor dem vollständigen Durchdrücken des Auslösers Bilder aufzeichnen. Gerade bei schwer vorhersehbaren Bewegungen kann das entscheidend sein. Während unseres Praxiseinsatzes funktionierten Motiverkennung und Tracking sowohl bei Menschen als auch bei Tieren zuverlässig.
Noch interessanter ist die Personenregistrierung. Bestimmte Personen können in der Kamera hinterlegt und anschließend bevorzugt erkannt werden. Eine Funktion dieser Art kennt man eher aus höher positionierten Modellen und sie macht die R8 Mark II auch für Anwendungen interessant, die weit über klassische Einsteigerfotografie hinausgehen. Bei Hochzeiten oder Veranstaltungen könnten beispielsweise wichtige Personen priorisiert werden. Spätestens hier wird deutlich, dass Canon die Kamera bei den eigentlichen Aufnahmefunktionen nur wenig beschneidet. Die Abgrenzung zu größeren Modellen erfolgt vielmehr an anderen Stellen.
Bildlooks für Street und Reise
Für Streetfotografie und Reiseaufnahmen bietet die EOS R8 Mark II insgesamt 16 verschiedene Bildlooks. Dazu gehören beispielsweise Varianten, die sich an Negativfilm oder Diafilm orientieren. Die Intensität lässt sich zusätzlich anpassen, sodass die Effekte nicht immer mit voller Stärke eingesetzt werden müssen. Gerade wer JPEGs möglichst direkt aus der Kamera verwenden möchte, bekommt dadurch deutlich mehr kreative Möglichkeiten. Für unseren Test haben wir die meisten Aufnahmen allerdings als RAW fotografiert und anschließend individuell bearbeitet. Die Beispielbilder im Artikel zeigen deshalb nicht unmittelbar die integrierten Looks der Kamera, sondern unsere eigene Bearbeitung. Die Looks sehen wir eher als zusätzliche kreative Option für Fotografen, die bereits bei der Aufnahme mit einer bestimmten Bildwirkung arbeiten möchten.
Video: Schon der Vorgänger war stark
Auch im Videobereich fällt der Sprung gegenüber der R8 weniger groß aus, was allerdings kein wirklicher Kritikpunkt ist. Schon der Vorgänger konnte 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde ohne Crop und aus einem 6K-Oversampling aufzeichnen. Entsprechend liefert auch die R8 Mark II ein sehr klares und detailreiches 4K-Bild. Hinzu kommen professionellere Codecs mit 10 Bit 4:2:2, Canon Log 3 und die Möglichkeit, bis zu vier Audiokanäle aufzunehmen. Der neue IBIS spielt auch hier eine wichtige Rolle, insbesondere wenn ohne Gimbal oder größeres Rig gefilmt wird. Zusätzlich bietet Canon mehrere Assistenzfunktionen für Content Creator und Einsteiger, während gleichzeitig genügend professionelle Werkzeuge vorhanden sind, um mit der Kamera auch anspruchsvollere Videoprojekte umzusetzen.
Ganz ohne Kompromisse bleibt der Videobereich allerdings nicht. Canon setzt weiterhin auf Micro-HDMI. Gerade bei einer Kamera, die sich ausdrücklich auch an Content Creator richtet und inzwischen sehr umfangreiche Videofunktionen bietet, hätten wir einen vollwertigen HDMI-Anschluss bevorzugt. Genau solche Details zeigen, wo die EOS R8 Mark II innerhalb des Canon Portfolios eingeordnet bleibt.
Vergleich zu anderen EOS Modellen
Wo merkt man noch, dass es Canons Einstiegsmodell ist?
Bei den zentralen Aufnahmefunktionen inzwischen kaum noch. 24 Megapixel Vollformat, IBIS, 40 Bilder pro Sekunde, ein leistungsfähiger Autofokus, Personenregistrierung und umfangreiche Videooptionen ergeben ein Paket, das weit über das hinausgeht, was man klassisch mit einer Einsteigerkamera verbindet. Die Unterschiede zu höher positionierten Modellen liegen vielmehr bei der Ausstattung rundherum. Es gibt nur einen SD-Kartenplatz, der Akku fällt weiterhin relativ klein aus, der Sucher bleibt bei 2,36 Millionen Bildpunkten und für Video steht lediglich Micro-HDMI zur Verfügung. Gerade der kleine Akku fiel auch bei unserem längeren Einsatz auf. Für einen ganzen Tag sollte ein Ersatzakku deshalb unbedingt mit ins Gepäck.
Genau dadurch ergibt die Positionierung der Kamera aber Sinn. Canon spart nicht bei der Serienbildgeschwindigkeit, nicht beim grundlegenden Autofokus und inzwischen auch nicht mehr beim Bildstabilisator. Stattdessen bleiben die Einschränkungen vor allem bei Komfort, Anschlüssen und professioneller Redundanz. Wer zwei Speicherkartenplätze, einen größeren Akku, einen höher auflösenden Sucher oder ein noch robuster ausgelegtes Arbeitsgerät benötigt, findet diese Vorteile weiterhin bei Modellen wie der EOS R6 Mark II.