Benro Polaris Astro - Astrofotografie einfach wie nie
Smarte Nachführung für moderne Astrofotografie
Astrofotografie gehört zu den faszinierendsten, aber auch technisch anspruchsvollsten Bereichen der Fotografie. Eine exakte Nachführung ist der Schlüssel zu erfolgreichen Langzeitbelichtungen – denn sobald sich der Sternenhimmel bewegt, entscheidet Präzision über das Ergebnis. Mit dem Benro Polaris betritt ein motorisierter Stativkopf den Markt, der genau dort ansetzt und klassische Herausforderungen in diesem Genre automatisieren möchte.
Vom Stativkopf zur Nachführung
Der Polaris ist in seiner Grundkonfiguration zunächst ein hochwertig verarbeiteter, motorisierter Stativkopf. Die Konstruktion ist robust, die Verarbeitung solide – allein das Gewicht von rund 1,5 kg macht deutlich, dass hier ein ernstzunehmendes Werkzeug für anspruchsvolle Einsätze vorliegt. Montiert wird der Polaris entweder direkt über das Schraubgewinde oder via Arca-Swiss-kompatibler Basis.
Schon im Standardbetrieb ermöglicht der Polaris flüssige, exakt programmierbare Bewegungen. Kameraschwenks für Zeitraffer lassen sich sauber umsetzen, ebenso wie gleichmäßige Panorama-Aufnahmen. Die Steuerung erfolgt dabei vollständig über eine App – manuelle Eingriffe sind nur eingeschränkt möglich.
Erweiterung für den Himmel
Richtig spannend wird es mit dem optionalen Astro-Aufsatz. Dieser verwandelt den Polaris in eine vollwertige astronomische Nachführung. Ziel ist es, die komplexe Ausrichtung an den Polarstern weitestgehend zu automatisieren. Nach dem Aufstellen genügt eine Kalibrierung über die App und die Auswahl eines Himmelsobjekts – etwa ein Stern, Planet oder eine Sternenkonstellation – um die Nachführung zu starten. Polaris bestimmt selbstständig Position und Ausrichtung und kann das gewählte Objekt dann verfolgen.
Besonders praktisch: Die App bietet einen integrierten Objektkatalog, aus dem gezielt Sternbilder, Planeten oder einzelne Sterne ausgewählt werden können. Die Navigation am Nachthimmel wird dadurch deutlich vereinfacht, auch wenn der Katalog derzeit noch Luft nach oben lässt – etwa in Bezug auf Deep-Sky-Objekte wie Nebel und Galaxien.
Präzision bei Langzeitbelichtungen
Im praktischen Einsatz zeigt sich schnell das Potenzial des Systems: Bei kurzen Brennweiten – beispielsweise 14 bis 24mm – sind minutenlange Belichtungen möglich, ohne sichtbare Sternspuren. Selbst bei 105mm Brennweite ließ sich noch problemlos 30 Sekunden lang belichten. Mit einem alten 1000mm F10 Spiegelobjektiv waren sogar Deep-Sky-Aufnahmen wie der Orionnebel möglich – ohne Cropping, mit einer APS-C Kamera.
Ein Punkt, der in der Praxis schnell auffällt: Die Nachführung funktioniert verlässlich, auch wenn die Ausrichtung nicht perfekt durchgeführt wurde. Die intelligente Technik gleicht kleinere Ungenauigkeiten selbstständig aus – ein Vorteil gegenüber klassischen, rein mechanischen Lösungen.
Grenzen des Systems
So überzeugend die technische Seite auch ist, die Steuerung per App bleibt aktuell eine Schwachstelle. Eine Bedienung ohne Smartphone ist kaum möglich. Auch kurzfristige Korrekturen über die Bedienelemente am Gerät selbst sind nur eingeschränkt realisierbar. Wer eine Session plant, sollte daher stets auf einen vollen Akku am Smartphone achten – denn der Polaris selbst hält mit bis zu 24 Stunden deutlich länger durch.
Das System erfordert eine gewisse Einarbeitungszeit. Gerade beim ersten Setup können falsche Standortdaten oder ungenaue Ausrichtungen zu Frustration führen. Hier empfiehlt sich eine Testphase bei Tageslicht oder vor dem geplanten Einsatz – vor allem, wenn ein konkretes Himmelsereignis fotografiert werden soll.