Sony RX10 V
Neun Jahre später: Sonys Superzoom-Bridgekamera bekommt Alpha-Technik
Neun Jahre ist es her, dass Sony mit der RX10 IV seine letzte Bridgekamera vorgestellt hat. Seitdem hat sich der Kameramarkt deutlich verändert: Smartphones sind leistungsfähiger geworden, spiegellose Systemkameras kompakter und Bridgekameras galten zwischenzeitlich fast schon als aussterbende Gattung. Umso spannender ist die Rückkehr der RX10-Serie.
Mit der neuen Sony RX10 V zeigt Sony, dass das Konzept einer hochwertigen Superzoom-Kamera noch lange nicht auserzählt ist. 20,1 Megapixel, ein gestapelter 1-Zoll-Sensor, das bekannte ZEISS Vario-Sonnar T* 24–600 mm F2.4–4, BIONZ XR Prozessor, KI-Einheit, Real-time Recognition AF, 30 Bilder pro Sekunde und 4K 120p Video lesen sich nicht wie ein kleines Update, sondern wie ein kompletter Neustart.
Technische Daten der Alpha 7 V
- Sensor: Gestapelter 1-Zoll-CMOS-Sensor
- Prozessor: BIONZ XR + KI-Prozessor
- Megapixel: 20,1 MP
- Objektiv: ZEISS Vario-Sonnar T* 24–600 mm F2.4–4
- Stabilisierung: Optical SteadyShot, Active Mode bei Video
- Autofokus: Real-time Recognition AF
- AF-Punkte: 575 Phasen-AF-Punkte
- AF-Abdeckung: ca. 70,6 Prozent
- Motiverkennung: Menschen, Tiere, Vögel, Insekten, Fahrzeuge, Flugzeuge
- Geschwindigkeit: bis zu 30 B/s elektronisch, blackout-frei
- Speed Boost: Ja, über Custom-Taste nutzbar
- Videoauflösung: 4K 60p ohne Crop, 4K 120p mit leichtem Crop, Full HD 240p
- Farprofile: S-Cinetone, S-Log3, eigene LUTs, Creative Looks
- Sucher: OLED-EVF mit ca. 3,7 Mio. Bildpunkten, optional 120 Hz
- Display: neigbares Display
- Speicher: SD UHS-II
- Akku: NP-FZ100
- Anschlüsse: Mikrofon, Kopfhörer, Mini-HDMI, USB-C, Multiport
Sensor und Bildqualität
Sony setzt bei der RX10 V auf einen gestapelten 20,1-Megapixel-Sensor im 1-Zoll-Format. Dazu kommt der BIONZ XR Prozessor aus der Alpha-Serie sowie ein separater KI-Prozessor. Diese Kombination wirkt sich in der Praxis nicht nur auf die Geschwindigkeit aus, sondern auch auf Farbwiedergabe, Rauschverhalten und Autofokusleistung.
Die Auflösung bleibt mit 20,1 Megapixeln praxisnah. Gerade bei einer Kamera mit fest verbautem Superzoom ist das ein sinnvoller Kompromiss aus Dateigröße, Geschwindigkeit und Bildqualität. Die RX10 V liefert saubere, detailreiche Bilder und bleibt auch bei höheren ISO-Werten länger kontrolliert, als man es von einem 1-Zoll-Sensor zunächst erwarten würde.
Besonders auffällig ist die Farbwiedergabe. Natürliche Farben, Hauttöne, Vegetation oder Gefieder wirken angenehm abgestimmt und profitieren sichtbar von der neueren Sony-Bildverarbeitung. Das ist einer dieser Punkte, die auf dem Datenblatt leicht untergehen, im Alltag aber schnell auffallen.
Natürlich ersetzt ein 1-Zoll-Sensor keine Vollformatkamera, wenn es um maximale Freistellung, Dynamik oder Low-Light-Reserven geht. Doch genau darum geht es bei der RX10 V nicht. Ihr Reiz liegt darin, eine enorme Motivvielfalt mit nur einer Kamera abzudecken – und dabei eine Bildqualität zu liefern, die deutlich über klassischen Kompaktkameras liegt.
Die Sony RX10 V im YouTube-Review
Im Video waren wir mit der RX10 V in Hamburg unterwegs und haben getestet, wie gut sich der 24–600-mm-Zoom, der neue Autofokus, die Serienbildgeschwindigkeit und die Videofunktionen in der Praxis schlagen – vom Rathaus über die Elbphilharmonie bis zu Möwen an der Elbe.
Das ZEISS 24–600 mm: Der heimliche Star der Kamera?
Das Objektiv der RX10 V ist aus technischer Sicht kein neues, aber weiterhin eines der wichtigsten Argumente für diese Kamera. Sony setzt erneut auf das ZEISS Vario-Sonnar T* mit 24 bis 600 mm Kleinbildäquivalent und einer Lichtstärke von F2.4 bis F4. Auf dem Papier klingt das vertraut, in der Praxis bleibt es beeindruckend.
Am Hamburger Rathaus zeigt sich sehr schnell, was dieser Brennweitenbereich bedeutet. Bei 24 mm passt das komplette Gebäude samt Vorplatz ins Bild. Wenige Sekunden später füllt bei 600 mm die Turmuhr den gesamten Frame – ohne Standortwechsel, ohne Objektivwechsel, ohne zusätzliches Zubehör.
Zusätzlich lässt sich der Brennweitenbereich digital erweitern. Mit Clear Image Zoom sind umgerechnet bis zu 1.200 mm möglich, mit Digital Zoom sogar bis zu 2.400 mm. Das ersetzt nicht immer eine echte optische Brennweite, eröffnet aber zusätzliche Möglichkeiten, wenn ein Motiv besonders weit entfernt ist.
Überraschend stark ist auch die Nahdistanz. Im Weitwinkel fokussiert die RX10 V bis auf drei Zentimeter vor der Linse. Dadurch sind echte Makroaufnahmen aus der Hand möglich. Selbst am langen Ende bei 600 mm liegt die minimale Fokusdistanz noch bei 72 Zentimetern. Für Naturmotive, Insekten oder scheue Tiere ist das ein echter Vorteil.
Videofunktionen
Auch im Videobereich macht die RX10 V einen großen Schritt nach vorne. Die Kamera filmt in 4K mit bis zu 60p in 4:2:2 10 Bit ohne Crop. Das Bild wirkt scharf, detailreich und für eine Bridgekamera ausgesprochen hochwertig. Zusätzlich ist 4K 120p möglich, dann allerdings mit leichtem Crop.
Wer Zeitlupen aufnehmen möchte, bekommt Full HD mit bis zu 240p. Das klingt zunächst weniger spektakulär als die 960p der RX10 IV, ist in der Praxis aber deutlich brauchbarer. Die extrem hohen Bildraten der Vorgängerin waren eher eine Spielerei, weil die Auflösung sichtbar litt. Die RX10 V geht hier den sinnvolleren Weg und liefert Slow-Motion-Material, das man tatsächlich einsetzen kann.
Für Filmer stehen außerdem S-Cinetone und S-Log3 zur Verfügung. Eigene LUTs lassen sich direkt in die Kamera laden. Das bringt die RX10 V auch hier näher an Sonys Alpha- und Creator-Kameras heran.
Die Stabilisierung arbeitet mit Optical SteadyShot und Active Mode. Bei Aufnahmen aus der Hand bleibt das Bild auch in höheren Brennweiten erstaunlich ruhig. Irgendwann schleichen sich bei sehr langen Brennweiten zwar kleinere Mikro-Shakes ein, was bei 600 mm kaum überrascht. Ein IBIS in Kombination mit einem Dynamic Active Mode wäre hier noch stärker gewesen. Trotzdem ist das Ergebnis für eine Bridgekamera sehr überzeugend und im Alltag absolut brauchbar.
Body, Bedienung und Ergonomie
Auch äußerlich hat Sony die RX10 V deutlich überarbeitet. Das Design erinnert nun stärker an die Alpha-7-Reihe als an die alte RX10 IV. Das betrifft nicht nur die Form, sondern auch das Button-Layout. Wer aktuelle Sony-Alpha-Kameras kennt, findet sich schnell zurecht.
Besonders positiv fällt der Griff auf. Die Kamera liegt sehr sicher in der Hand und vermittelt eher das Gefühl einer kompakten Systemkamera als einer klassischen Bridgekamera. Gerade mit dem langen Zoom ist das wichtig, weil man häufig aus der Hand und bei längeren Brennweiten arbeitet.
Auf der linken Seite sitzen Anschlüsse für Mikrofon, Kopfhörer, Mini-HDMI, USB-C und Multiport. Der Kartenslot unterstützt nun SD UHS-II. Beim Akku setzt Sony auf den bekannten NP-FZ100 aus der Alpha-Serie. Das sorgt für deutlich mehr Kapazität und ist vor allem für Sony-Nutzer praktisch, die bereits mit diesem Akkusystem arbeiten.
Weggefallen sind der integrierte Blitz und das Top-Display. In der Praxis dürfte das viele Nutzer kaum stören. Wichtiger ist die neue Stern-Position am Mode-Dial, über die sich bis zu zehn eigene Shooting-Setups abspeichern und schnell abrufen lassen.
Der elektronische Sucher löst mit rund 3,7 Millionen Bildpunkten auf und lässt sich optional auf 120 Hz stellen. Beim Verfolgen schneller Motive macht das einen sichtbaren Unterschied. Das Display ist neigbar und damit für Aufnahmen aus niedrigen oder hohen Perspektiven praktisch. Ein vollständig dreh- und schwenkbares Display hätte der Kamera allerdings gutgetan, besonders für Video und Vlogging.